Hatte vorgestern Langeweile und hab mir gedacht "besuch' doch mal die Kollegen im Technik Museum". Gesagt, getan. Bei der Gelegenheit habe ich gleich mal ein paar Fotos für Euch gemacht und in einer neuen Bildergalerie hier eingestellt.
Es handelt sich um die erste von Henschel gebaute Elektrolokomotive für die nur 1 km lange Staatliche Güterbahn Deuben in Sachsen.
Im Jahr 1905 wurden zwei baugleiche Maschinen mit den Nummern 7443 und 7444 in Meterspur gebaut.
Leider habe ich so gut wie keine technischen Daten dazu gefunden. Das Einzige was ich bis jetzt entdeckt habe ist das Dienstgewicht von 18 t (davon 9 t Ballast), Länge 2900 mm und Raddurchmesser 800 mm. Antrieb erfolgt mit zwei Tatzlagermotoren.
Falls einer von Euch mehr findet, kann er es ja hier mal veröffentlichen.
Ich habe versucht, möglichst gerade zu fotografieren und auf einigen Bildern einen kleinen schwarzweißen Maßstab von 500 mm Länge dazugelegt, damit man sich grob die Maße abnehmen kann. Wenn jemand Bastelgelüste bekommt und weitere Maße braucht, ich kann jederzeit nachmessen.
Die Lok hat eine kleine Odyssee hinter sich. 1972 wurde sie abgestellt, 1979 zurück an Thyssen Henschel verkauft und im Hessischen Landesmuseum Kassel ausgestellt, 2003 an das Museum für Astronomie und Technikgeschichte in Kassel abgegeben und von da dann 2015 an unser Technik Museum weitergegeben.
Übrigens ist unsere Lok eigentlich die Zweite (Nr. 7444). Sie hat nur irgendwann auf ihrem Weg zu uns das Fabrikschild der ersten bekommen (die steht im Museum in Dresden). Vermutlich wollte man den Eindruck erwecken, dass an ihrem Ursprungsort in Kassel wirklich "die Erste" steht.
Leider ist sie zur Zeit nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Wir sitzen mit unserem Museum ja in der alten Kesselschmiede des Henschel Werkes Rothenditmold. Da haben wir zwei Hallen. Die zweite ist Teil einer Dreischiffhalle und wir haben das erste. Die Unterteilungen sind nur offenes Stahlfachwerk. Die anderen beiden Hallen werden von einer Spedition genutzt und nach der aktuellen hessischen Brandschutzverordnung ist diese Kombination nicht für Publikiumsverkehr zulässig. Es ist schade denn dort haben wir ein paar echte Schmankerl stehen. Alle historischen Straßenbahnwagen der Kasseler Verkehrsbetriebe, die kleine E Lok, einen Eisenbahnwagen mit einem kompletten Operationssal aus einem medizinischen Zug der Bundeswehr, etliche alte Feuerwehrfahrzeuge und schließlich unser Glanzstück, eine Güterzuglok Baureihe 44. Und noch viel mehr interessantes Zeug. Wir stellen jetzt dort alles ab, was erst mal aus dem Weg muss. Es ist die wohl größte Rumpelkammer Kassels (ca. 3000 m"). Hier mal ein Beispiel:
danke, dass Du die Bilder der Freitaler Güterlok hier eingestellt hast. Eine sehr interessante Lok einer sehr interessanten Bahn, von der kaum einer was weiß. Das Thema der Freitaler Güterbahn mit dem Anschluss zur Lederfabrik wurde vor 3 Jahren im Bimmelbahnforum ausgiebig behandelt. Wer sich das reinziehen will, der klicke bitte hier Anschluss der Lederfabrik an die Güterbahn Deuben. Das liest man Erstaunliches von Dreischienengleis der Dresdner Straßenbahn in Freital, das von der 1000mm-spurigen Güterbahn mitgenutzt wurde und selbst von dreischienigen Abschnitten, die für den Güterverkehr bereits vorbereitet waren, aber nie angeschlossen wurden. Viele Lageskizzen und historische Bilder im Vergleich mit Bildern der Jetzt-Zeit, man könnte glatt ein Buch draus machen. Als Liebhaber kleiner Elektroloks habe ich die Beitragsfolge damals beinahe "verschlungen" und kann mich da immer wieder begeistern, genau wie an Günni's Bildern...
Dann mal ran an die Basteltische. Ich kann Euch jederzeit benötigte Maße besorgen. Als Mitglied im Museum darf ich ja alles anfassen und überall reinklettern.
Unser Museum erfreut sich größter Beliebtheit in den örtlichen Waschbärkreisen.
In der eigentlichen Ausstellungshalle haben wir mittlerweile alle Zugangslöcher gestopft (teilweise sogar mit Stacheldraht), da ist jetzt gottseidank Ruhe. Aber in der Abstellhalle sind (trotz Falle) immer noch welche unterwegs. Und da haben wir keine Chance. Eine Dreifeldhalle mit ca. 10.000 m² bietet zu viele Schlupflöcher nach draußen, die kann man gar nicht alle finden (die Waschbären allerdings schon). Hauptsache in der Ausstellungshalle sind keine mehr. Die hatten besonders viel Spaß mit der Modelleisenbahn. Da konnte man ganze Züge umschubsen oder einzelne Fahrzeuge von der Anlage purzeln lassen, hat sicher Riesenspaß gemacht .