Mein aktuelles Projekt ist die 750 mm Schmalspurlokomotive 99 704. Vor der Jahrtausendwende habe ich den Bausatz von Wolfgang HENKE in Berlin gekauft. Es ist ein Spur 0e Messingbausatz, der von Gebauer produziert wurde. Der Bausatz ist „gut abgelagert“ und soll mit einigen Anpassungen und neuen/ergänzenden Bauteilen zu einem Modell im Maßstab 1:43,5 im zeitgemäßen Standard werden.
Die Geschichte zu dieser Lokomotiv-Baureihe dürfte bekannt sein. Die ersten Maschinen sollte an die Heeresfeldbahn im Ersten Weltkrieg geliefert werden. Das Ende des Kriegs kam jedoch schneller und so übernahm die DRG die Fahrzeuge Anfang der 20er Jahre für das Schmalspurnetz in Sachsen. Mitte/Ende der 20er Jahre gab es dann Nachbestellungen bei verschiedenen Herstellern. Man kann die sogenannten „Nachbauten“ daran erkennen, daß sie einen abgeflachten Dampfdom hatten – im Gegensatz zur ersten Bauserie, die mit eine Dampfdom mit halbrunder Kuppel versehen waren. Wer mehr zu den Lokomotiven nachlesen möchte, der findet dazu ausreichend Literatur.
Das von mir ausgesuchte Vorbild kommt aus der Nachbauserie mit flachem Dampfdom. Die Lokomotive wurde von der Maschinenfabrik Karlsruhe gebaut und an die Schmalspurstrecken nach Sachsen ausgeliefert. Nach bewegtem Leben in Sachsen mit verschiedenen Unfällen wurde sie Ende der 30er Jahre zu den württembergischen Schmalspurbahnen umgesetzt und technisch entsprechend umgebaut – u.a. Druckluftbremsanlage und Dampfheizung.
Den Bau des Modells habe ich vor einem halben Jahr damit begonnen, daß der Antrieb geändert wurde. Wie bei Gebauer üblich gibt es ein Winkelgetriebe von KTM, das von einem Faulhabermotor angetrieben wird. Die Verbindung erfolgt über einen Gummischlauch, der auch die Vertikalbewegung der gefederten Antriebsache ausgleichen soll. Dies ist technisch unbefriedigend, deshalb habe ich den Antrieb auf einen Riemenantrieb umgebaut, den ich in einem anderen Beitrag hier im Forum bereits beschrieben habe https://forum.spurnull-magazin.de/thread...ml;berraschung/
Als nächstes wurde die Federung der Achsen modifiziert. Die seitlich leicht verschiebbaren Achsen und der Federweg der Druckfedern zwischen den Lagersteinen und dem Fahrwerksrahmen können dazu führen, daß die Federn die Radreifen berühren und zu Kurzschlüssen führen. Um dies auszuschließen habe ich die Federnaufnahme am Rahmen mittels Drehteilen nach innen versetzt. Damit waren die technisch erforderlichen Änderungen abgeschlossen.
Es folgte der Bau der Zylinder und die Anpassung der teils schon montierten Steuerung. Die Detaillierung der Zylinder wurde mit verschieden kleine Drehteilen verbessert. Die Befestigung der Zylinder wurde auf eine Verschraubung von unten umgebaut.
Alle anderen Bleche und Gußteile des Fahrwerksrahmens konnten relativ zügig angebaut werden. Die wirkliche Herausforderung stellte sich erst beim Anbringen der verschiedenen Leitungen am Unterboden und bei der Bestückung der Pufferbohlen. Henke hatte zum Bau des Bausatzes keine Bauleitung, lediglich ein paar Fotos. Wenn man mit dem Modell eine konkrete Lokomotive nachbauen möchte, dann hätte eine Bauanleitung sowieso nicht geholfen. Mein Pech ist, daß es von der 99 704 in Epoche II DRG (umgebaut für die württembergische Schmalspur) keine Modellbau tauglichen Fotos gibt. Hinzu kommt, daß bis zum Ende der Schmalspurzeit die Lokomotiven immer wieder umgebaut wurden. Also gilt wieder einmal, das Wenige zu Rate ziehen und das Prinzip „so hätte es sein können“ zugrunde legen.
Bei der Bestückung der Pufferbohlen wurden die Gebauer Gußteile durch solche aus meinem eigenen Bauteileprogramm getauscht und entsprechend umgebaut. Rohrverschraubungen und Muffen wurden als kleine Drehteile aus 6-kant Profilen und Drähten individuell hergestellt. Das Abschlammventil habe ich von Thomas Spieth erhalten. Der Rest war dann feinster Micro-Modellbau.
Mit diesem Baubericht zeige ich Euch den heutigen Stand. Die Fahrfähigkeit ist analog mit Hilfe einer Kabelfreileitung geprüft, da die Radschleifer noch nicht angelötet sind. Die Steuerung ist noch nicht endgültig justiert, es fehlen noch passende Distanzscheiben und die Teile zum Antrieb der Schmierpumpe, die selbst angefertigt werden müssen.
Jetzt ist genug geschrieben, die Fotos warten darauf, daß sie hochgeladen werden. Ein Rundgang um das Fahrwerk, ein paar Detailfotos und ein Blick von unten.
Wer Spaß an meinem Modellbau hat, der sollte den Baubericht Teil 2 nicht verpassen. Die schlechte Nachricht, es dauert noch ein paar Wochen bis es soweit ist. Die gute Nachricht, man muß nicht suchen, den nächsten Teil gibt es auch hier im Forum.
Moin Armin, Das ist schon sehr beeindruckend was du da machst. Ich habe eine " Kunststoff VIK " von Henke. Meine Lok hat einen Zahnriemenantrieb. Mit der Laufruhe bin ich nicht so ganz zufrieden. Gibt es evtl. Eine Zeichnung von deinem Antrieb? Und dann ist mir auf den Bildern vom Fahrwerk aufgefallen, das die Räder etwas schief sitzen. Liegt das an der Aufnahme? Bin gespannt wie die fertige Lok aussieht und fährt... Viele Grüße Dierk
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guten Abend Dierk,
das Messingmodell und das Kunststoffmodell sind zwei grundsätzlich andere Konstruktionen. Insbesondere das Fahrgestell und der Antrieb mußten für die Kunststofftechnologie vollkommen neu konstruiert werden. Der Aufbau basiert in Teilen auf dem Gebauer Messingmodell. Die Messinggußteile sind neue Urmodelle von Thomas Spieth. Von meinem Antrieb habe ich keine Zeichnungen, ich habe ihn an das KTM Getriebe angepaß und die Riemenscheiben so ausgelegt, daß sie im Stehkessel ausreichend Platz haben. Wenn dein Kunststoffmodell surrende Geräusche macht, dann könnte es am Zahnriemenantrieb liegen. Mache dir zwei neue Riemenscheiben und wechsle sie gegen die Zahnriemenscheiben. Die 1 mm O-Ringe findest du in fast jeder gewünschten Länge bei ebay.
Es kann sein, daß auf den Fotos eine Achse meines Modells leicht schräg wirkt. Die Lagersteine haben Spiel im Messingrahmen, bei entsprechender Stellung der Steuerung können sich die Achsen leicht verschieben. Das Modell hat soviel Masse, daß wenn es auf den Rädern steht die Federn leicht eingedrückt sind und das horizontale Spiel der Lagersteine im Rahmen nicht auffällt.
Die Fahreigenschaften ,mit dem umgebauten Antrieb sind sehr gut. Ich habe meine 99 651 mit dem runden Dampfdom vor 30 Jahren gebaut und verschiedene Antriebe ausprobiert, alle mehr schlecht wie recht. Parallel zur 99 704 habe ich sie jetzt mit dem Riemenantrieb ausgerüstet. Jetzt ist vom Antrieb nichts mehr zu hören.
Des Modellbauers Leid ..... erstens kommt es anders – zweitens als man denkt
Das Fahrgestell meiner 99 704 ist komplett fertig und nun kann ich mit Volldampf das Gehäuse aufbauen und komplettieren. So habe ich gedacht und konnte auch schon einiges abarbeiten.
Dann klemmte plötzlich etwas und der Arbeitsdrang wurde jäh unterbrochen. Hier stimmt etwas nicht!!
Das Fahrgestell ist mit dem Oberteil passend verschraubt und die Dampfeinstömrohre sollen in die vorgesehenen Bohrungen des Kessels (Rauchkammer) eingesetzt werden. Alles paßt, sie münden unten auch exakt in den Flanschen auf den Zylindern, alles gut. Dachte ich, bis ich probeweise die Trägerplatte der Luftpumpe hinhielt. Die Fußplatte des Dampfeinströmrohrs am Kessel sitzt so weit vorne, daß die Trägerplatte der Luftpumpe keinen Platz mehr hat und nach vorne über die Rauchkammentür hinaus steht.
Ursachenforschung ist angesagt und das Ergebnis ist ernüchternd. HENKE/Gebauer hat einen gravierenden Fehler in der Konstruktion der Messing VIK. Am Fahrgestell sitzen die Zylinder 3 mm zu weit vorne!! Deshalb sind auch die Bohrungen für die senkrecht nach oben stehenden Dampfeinströmrohre 3 mm zu weit nach vorne angebracht.
Was mache ich jetzt? Alles so belassen und hin doktern - so habe ich das offensichtlich vor über 30 Jahren bei meiner Lokomotiuve 99 651 gemacht . Leider konnte mich daran nicht mehr erinnern. Oder soll ich zurück auf „Null“ und am FG die Zylinder ablöten und nach hinten verschieben. Dann muß aber auch die Steuerung angepaßt werden. Das größte Risiko lauert beim Ablöten der Zylinder-Trägerplatten vom Fahrgestell. Die fertig montierte vordere Pufferbohle könnte sich verabschiedet. Guter Rat ist jetzt teuer.
Zum Vergleich drei Fotos, die die Situation zeigen. Beim fertigen Modell 99 651 habe ich damals sogar an der Luftpumpe seitlich unten die Kühlrippen abgeschliffen, daß sie noch etwas nach hinten verschoben werden konnte.
Anhand der Fotos kann man erkennen, daß beim Messing-Modell von HENKE/Gebauerder der Abstand zwischen Hinterkante Zylinder und Vorderkante Wasserkastens deutlich größer ist wie beim Original. Im Modell sind das 3 mm.
Eines ist sicher: die fertige Lokomotive 99 651 werde ich auf keinen Fall ändern. Jetzt muß ich mich entscheiden, was mache ich mit der 99 704. Ausrede gilt nicht und „geht nicht gibt’s nicht“.
Grüße aus VAI Armin.
zuerst das Foto des vor über 30 Jahren gebauten Models der 99 651
als nächstes ein Foto von der derzeitigen Baustelle der 99 704
und zum Vergleich ein Foto vom Original der 99 651
im ersten Moment war ich mir nicht sicher, ob ich denselben Fehler damals auch gemacht habe, als wir diese Modelle gebaut haben. Erinnern kann ich mich aber, dass Henke für die Steuerung korrigierte, sprich verkürzte, Gußteile für die Steuerung angeboten hat. Leider habe ich keine brauchbaren Fotos des Fertigmodells der 99 651. Ich habe aber von der 99 651 ein Bild des im Bau befindlichen Messingmodells. Dort sieht man ganz gut, dass die Zylinderblöcke schon nach hinten gerutscht sind. Also Fehler behoben! Zum Vergleich habe ich noch zwei Ausschnitte von der 99 650 (Messingmodell) und der 99 704 (Kunststoffmodell), die ich vor nicht all zu langer Zeit gebaut habe. Auch hier stimmen die Abstände. Nicht ganz klar ist mir aber warum Du noch den Zylinder so weit nach vorne gesetzt hattest? War die Korrekturinformation noch nicht verfügbar?
die Info mit zu den Zylindern hatte ich nicht. Deshalb habe ich die Zylinder entsprechend der vorgesehenen Befestigung (Paßstift und Schraube) im Fahrwerksrahmen angebracht. Wie geschrieben habe ich es erst bemerkt, als ich die Luftpumpe dranhielt. Die Korrektur ist schon in Arbeit.
Erleichterung in der Werkstatt – die Korrektur der Zylinder und der Einströmroher an meiner 99 704 ist geschafft ... und zwar ohne Schäden. Hier noch die Fotos von der geänderten Zylinderlage.
Vorab zwei Fotos zur Erklärung: HENKE/Gebauer hat vorgesehen, daß die Trägerplatte des Zylinders mit dem Zylinder verlötet ist. Die Einheit muß mit Inbusschrauben am Fahrgestell von innen angeschraubt werden. Ein Gefummel, wenn kein Platz da ist.
Ich habe die Konstruktion geändert. Die Trägerplatte wurde auf den Fahrwerksrahmen aufgelötet und mit einem Paßklotz mit Gewinde versehen. Der Zylinder kann einfach aufgesteckt und von unten mit einer Schraube fixiert werden. Das hat die Korrektur jetzt auch etwas erschwert, da das Ablöten mit dem Risiko verbunden war, daß sich ungewollt noch mehr Lötstellen lösen.
Die Korrektur ist ohne Kollateralschaden verlaufen. Auch die Steuerungsteilen konnten relativ einfach gekürzt und der neuen Geometrie angepaßt werden. Die Trägerplatte der Luftpumpe ist noch nicht angelötet. Es ist jedoch genügend Platz und die Luftpumpe kann Vorbild gerecht befestigt werden.
Fazit: noch einmal gut gegangen! Außer dem ersten Ärger und ein paar Stunden Bastelarbeit ist die Aktion abgeschlossen und vergessen. Eine Lehre für diesen Bausatz ziehe ich daraus - alle fehlenden Teile werden erst nach genauer Kontrolle und Vergleich mit den Unterlagen angebracht.