Es ist schon eine Weile her, daß ich im Teil 1 des Bauberichts über den Bau des Fahrwerks meiner 99 704 berichtet habe 99 704 eine Sächsin die nach Württemberg kam . Jetzt ist die nächste Baugruppe (Aufbau) fertig und ich glaube, daß auch davon interessante Fotos gezeigt werden können.
Nicht nur, daß es zwischen der Ursprungsversion (runder Dampfdom) und der Nachbauserie (flacher Dampfdom) Unterschiede gab, auch innerhalb der Bauserien unterschieden sich die einzelnen Lokomotiven in Details. Dies ist auch nachvollziehbar, wenn man bedenkt wie unterschiedlich die Lebensläufe der einzelnen Lokomotiven ist. Verschiedene Hersteller, Erstauslieferungen nach Sachsen oder nach Württemberg, Umsetzung von sächsischen Lokomotiven nach Württemberg mit Systemumbau auf Druckluftbremse, zunächst Deutsche Reichsbahn Gesellschaft und nach dem Krieg Deutsche Reichsbahn (DDR) oder Deutsche Bundesbahn – viel bewegter kann die Geschichte einer kleinen Baureihe nicht aussehen.
Bei der Nachgestaltung der 99 704 konnte ich auf keine Fotos aus den 1930er Jahren/DRG beim Einsatz in Württemberg zurück greifen. Das älteste Modellbau taugliche Foto von einer württembergischen Strecke ist aus den späten 40er/Anfang 50er Jahren. Das mußte reichen, um die Unterschiede zu den späteren DB Umbauten zu erkennen.
Auffällig ist, daß die Bleche des HENKE/Gebauer Modells eigentlich die ältere Bauserie darstellen, das Nietbild und viele Details deuten darauf hin. Daß diese und andere Ungenauigkeiten hingenommen werden mußten, ist dem Aufwand für eine kaum machbaren Korrektur geschuldet. Nichts desto trotz habe ich versucht die Bauteile und die Leitungsführungen des Originals möglichst korrekt nachzubilden. Alles zu beschreiben würde den Rahmen sprengen. Nur soviel, einige Bauteile wurden neu angefertigt, andere wurden aus vorhandenen Teilen umgebaut oder ich konnte passende Gußteile erwerben.
Manche Leitungen und Stellstangen müssen mit den entsprechenden Anschlüssen am Fahrgestell oder der Inneneinrichtung verbunden werden. Für die Trennstellen wurden deshalb kleine Drehteile aus M1 und M1,5 Sechskantstangen hergestellt, die als Muffen zwischen den beiden Baugruppen dienen. Damit ist sichergestellt, daß das Modell jederzeit in die Baugruppen zerlegt werden, ohne Löt- oder Klebestellen lösen zu müssen.
Als weitere Kleinigkeit möchte ich auf die Befestigungen der unterschiedlichen Leitungen aufmerksam machen. Bei der Vielzahl der angebrachten Leitungen ist es wichtig, daß diese gut fixiert sind, allein stumpf anlöten reicht nicht. Ich fertige mir aus sehr schmalen 0,2 mm dicken Blechstreifen diese Schellen mit den entsprechenden Rundungen je nach Drahtdurchmesser des Drahts. An den Laschen der Schellen werden Niete eingedrückt. Wenn die Gefahr besteht, daß bei weiteren Arbeitsschritten die Schellen sich lösen könnten, dann setze ich zwei Bohrungen und Löte zwei Microniete ein. Alles sehr fitzelig, aber machbar. Ich glaube auch, daß solche Details zu einem authentischeren Gesamteindruck führen.
Für die folgenden Fotos habe ich das Modell nicht extra gereinigt. Da Messing schnell anläuft glänzt es nicht überall, das FG ist sogar schon ziemlich dunkel. Die Reinigung erfolgt erst mit dem Sandstrahlen vor der Lackierung.
Was jetzt noch fehlt ist die komplette Einrichtung des Führerstands. Diese wird so ausgeführt, daß sie erst nach der Lackierung eingesetzt werden kann. Darüber werde ich mit einem gesonderten Beitrag berichten. Ferner fehlen noch die feinen Schmierleitungen zwischen dem Aufbau und dem Fahrgestell im Bereich der Zylinder. Diese werden aus 0,2 mm Kupferlitze hergestellt. Da sie beim Sandstrahlen und Lackieren stören werden sie erst nach der Lackierung bei den Endmontage eingesetzt.
Jetzt ist genug geschrieben, die Fotos sind ausgewählt und auch schon hochgeladen. Ein Rundgang um das Modell und ein paar Detailfotos zeigen den heutigen Stand des Projekts.
Das grenzt einfach an Pornographie. Tut mir dass ich das so ausdrücken muss, aber das ist einfach ein, zur Reizüberflutung tendierender, Genuss für die Sinne, was du mir hier nach Feierabend auf den Bildschirm wirfst. Gerade in der Rohform (was nicht heißt, dass ich mich nicht aufs fertige Modell im eigentlich Sinne freue.).
Hallo Armin, Wow was für eine Augenweide! Vielen Dank fürs zeigen deiner beeindruckenden Maschine. Wieviel Kilo bringt der Messingkoloss eigentlich auf die Waage? Viele Grüße, Ralf
ZitatWenn ich auch nur einen Fetzen davon könnte, wäre ich Glücklich.
Das ist es ABER zumindest für mich auch ein Zeichen davon, wie weit man gehen kann, wenn man möchte. Es ist ja nicht nur die handwerkliche Ausführung, es ist die Liebe zum Detail (+ Präsentation) Allein dieses Bild...
Zitat
Ich würde fast behaupten, wenn man vor dem fertigen Modell steht nimmt man den Kabelbaum nicht bewusst wahr... ich bin da jetzt und hier einfach Sprachlos (erst recht im dem Ensemble an Leitungen, Verbindungen und Anbauten.)
Hallo Armin, einfach Wahnsinn Deine Fähigkeiten und Akribie im Modellbau. Ich bin mal wieder sehr stark beeindruckt. Danke für den Baubericht und die tollen Bilder von Deinem Modell. Viele Grüße aus Halberstadt Henning