Vor einiger Zeit entdeckten Arbeiter bei Restaurierungsarbeiten in einem der zahlreichen ägyptischen Tempel zufällig einen Zugang zu einer bis dahin unbekannten Kammer. Sie verständigten die Antikenbehörde in Kairo und diese lud international renommierte Archäologen zur Erforschung dieser neuen Kammer ein. Der Tempel ist zwar etwas abgelegen, relativ klein und nicht sehr bekannt, aber um die Arbeiten nicht zu stören und vor allem Touristen fernzuhalten, wurden Ort und Name nicht veröffentlicht und das ganze Projekt läuft nur unter seiner arabischen Bezeichnung „Al Maëbad“, der Tempel. Da die neu entdeckte Kammer noch unter einer großen Menge Geröll und Sand verborgen liegt, muss dieser vor genaueren Untersuchungen entfernt werden. Dazu hat man eine Feldbahn zur Abfuhr des Schutts eingerichtet. Die Forschung läuft auf Hochtouren und die archäologische Welt ist gespannt, welche neuen Erkenntnisse zu Tage gefördert werden.
Über die oben geschilderte Thematik habe ich versucht, in Form einer Anlage zu reflektieren.
Die gesamte Ausgrabungsstätte in ihrer bescheidenen Größe
Die Feldbahn zur Geröllabfuhr
Das Team bespricht die beste Herangehensweise
Einige Artefakte werden bereits untersucht und katalogisiert
Erste Funde werden bereits in Augenschein genommen. Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass auf dem Laptop Windows läuft.
Den Esel interessiert die ganze Aufregung nicht. Er knuspert lieber die kargen Büsche ab
Eine neue Ladung Schutt wird abgefahren
um hinter dem Tempel abgeladen zu werden
Die neue Situation wird sorgfältig aufgemessen
Auf allen meinen Anlagen gibt es jemanden, der Kaffee trinkt
Gut, mit dem simplen rundherum-Verkehr ist das Ganze natürlich keine „richtige“ Modellbahn sondern eher ein „People Catcher“. Aber auf der NUSSA war sie bei den Besuchern erstaunlich beliebt und auch die Damen von der Bewirtung kamen der Reihe nach zum Fotografieren.
OK, wie ich Euch neugierige Bande kenne, wollt Ihr jetzt natürlich auch wissen, wie’s gebaut wurde.
Also:
Das Ding hat eine Größe von 40 x 40 cm und die Baugröße 09.
Alles begann mit einer Styrodurplatte und einem Stück N Flexgleis drauf (hatte ich noch rumliegen). Eigentlich sollte das mal eine Weihnachtspizza werden (daher die weiße Farbe) aber dann ist mir rechtzeitig eingefallen, dass ich Weihnachten gar nicht ausstehen kann (jedenfalls nicht diesen amerikanischen Kitsch, den wir draus gemacht haben). Da ich außerdem auch keiner, wie auch immer gearteten, Religion angehöre, ist mir das Fest als solches ziemlich schnuppe.
Also ist die Platte erst mal auf die oberste Etage des Vorratsregals gewandert und wurde nur gelegentlich als Testgleis und zum Gängig machen von widerwilligen Lokomotiven genutzt.
In dem dunklen Kasten an der Hinterkante sitzt ein simpler FREMO Analogregler.
Ich kann mich ums Verrecken nicht mehr erinnern, was mich auf die Idee mit Ägypten gebracht hat. Irgendwie habe ich einfach angefangen, rumzuprökeln und auf einmal ist das dabei rausgekommen. Wie auch immer, jetzt gab’s erst mal eine große Internetrecherche. Bilder von Gebäuden, Tempeln, vor allem Hieroglyphen und Götterreliefs.
Die Gebäude bestehen aus Styrodurzuschnitten, mit Heißdrahtschneider und dem geerbten Metzgermesser vom Urgroßvater (sauscharf das Ding) in Form gebracht.
Jetzt kam die große Geduldsarbeit, all das auf die Gebäude zu kriegen. Die Bilder von den Göttern hab ich verkleinert, ausgedruckt und aufs Styrodur geklebt. Dann habe ich die Außenumrisse mit dem Messer durch das Papier in den Schaum geschnitten. Damit hatte ich schon mal die Form und die Proportionen. Danach wurde alles mit einem Zahnstocher nachgearbeitet und detailliert. Die Katze ist eine Inkarnation der ägyptischen Katzengöttin BASTET und kontrolliert, ob ich das auch richtig mache. Die Beleuchtung ist ein bisschen seltsam, ich brauchte seitliches Streiflicht um die vertieften Konturen erkennen zu können.
Bei den Hieroglyphen kamen wieder Zahnstocher zum Einsatz. Einige habe ich mir vorne zurechtgefeilt um immer wiederkehrende Zeichen und Formen einfach einzustanzen. Trotzdem war’s drei Tage Fummelei. Ich hab’s einfach Kolonne für Kolonne abgeschrieben und keinen blassen Schimmer, was da steht. BASTET kontrolliert wieder die Rechtschreibung.
Die Palmen sind von TEDI. Die gibt’s da eng zusammengequetscht im Zweierpack für’n Euro. Warum die chinesischen Hersteller allerdings der Meinung waren, auf Palmen müsse Schnee liegen, hat sich mir nicht erschlossen. Das Zeug war auch noch sehr widerstandsfähig, ich habe ewig gebraucht, das mit einem Borstenpinsel da raus zu bürsten (Abwaschen ging nicht, auch nicht mit Alkohol). Gegen das Zusammengequetschte fand sich eine simple Lösung: einfach einen Fön drübergehalten und die Dinger haben sich von selbst zu wunderschönen Palmwedeln entfaltet. Der Stamm ist einfach ein Stück isolierter Kupferdraht, mit Sand umklebt.
Am Übergang habe ich noch ein bisschen Heki Herbstgras aufgeflockt und die Palmen konnten gepflanzt werden.
Die Palmen hatte ich einfach ganz hemdsärmelich zusammengestroppelt ohne mir vorher mal irgendwelche Vorbilder anzugucken. Ich hatte daher die Befürchtung, dass auf einer Ausstellung irgend so ein Klugscheißer ankommt und mich wortreich vollschwafelt, was da alles dran falsch wäre. Ein paar Tage später mache ich den Fernseher an und da lief zufällig wieder eine von diesen zahllosen Pharaonensendungen. Die Kamera schwenkte zu einem Wissenschaftler und der stand vor einer Palme, die haargenau wie meine aussah. Manchmal muss man einfach Schwein haben.
Da die Damen und Herren Archäologen beim Forschen ja auch gern mal sitzen wollen haben sie ein paar Stühle bekommen. Rückenlehne und Beine sind aus 0,5 mm Kupferdraht gebogen, die Sitzfläche ist ein Stück 0,5 mm Kunststoff mit kleinen Löchern in den Ecken. Die Beine wurden dann in kleine Löcher auf der Anlage gesteckt.
Zum Schluss kam alles auf die Grundplatte und die Forscher konnten anrücken.
Soweit die eigentliche Anlage.
Die Wissenschaftler sind alle von 3drifter gedruckt (www.3drifter-miniatures.de). Da habe ich mir Figuren in passenden Körperhaltungen ausgesucht, egal wofür die sein sollten da ich sie ja sowieso selbst bemalen musste.
3drifter druckt die gesamte Bestellung auf eine Grundplatte und lässt die Supports dran, dadurch werden Transportschäden vermieden.
Die Supports sind sehr dünn und lassen sich leicht abknipsen. Der Araber ist eigentlich einfach eine stehende Figur. Mit einer Lage Papiertaschentuch und Sekundenkleber bekam er seinen Kaftan und das Kopftuch.
Ein bisschen Farbe drauf uns alle hatten einen neuen Job.
Jede Figur bekam noch eine Bohrung mit einer Stecknadel in den Fuß um sie sicher auf der Anlage aufzustellen.
Soweit die Anlage. Diesmal habe ich spaßeshalber mal auf die Uhr geguckt. Die Aktion hat ca. 120 Std. gedauert.
Getreu meiner Devise: jede neue Anlage bekommt auch neue Fahrzeuge habe ich auch eine neue Lok gebaut. Wagen hatte ich noch rumliegen.
Als Fahrwerksspender diente eine Arnold Dampflok, bei der schon ein paar Teile fehlten (Treibgestänge).
Diese wurde in alle Einzelteile zerlegt und erst mal gründlich gereingt.
Alles für meine Zwecke nicht benötigte wurde entfernt (Puffer, Zylinder, Trittstufen). Dafür kamen neue Teile aus Kunststoff um das Fahrwerk im Aufbau zu befestigen. Der Aufbau ist, wie immer bei mir, von Hand aus Polystyrolplatten geschnitten.
Bei Feldbahnloks wurden gern Zusatzgewichte zur Erhöhung der Zugkraft am Rahmen verschraubt. So auch bei mir. Es sind tatsächlich Gewichte, nämlich Auswuchtgewichte für Alufelgen die mir meine Autowerkstatt großzügig gesponsort hat. Diese habe ich halbiert und an den Rahmen gepappt.
Der fertige Fahrwerksrahmen von oben und von unten. In alle freien Räume kamen noch Lötzinnstücke als zusätzliches Gewicht.
Alle Aufbauteile, das Fahrwerk und der spätere Lokführer. Im Vordergrund liegt noch eine Ölkanne aus Rundkunststoff und Draht (alle meine Lokomotiven haben eine).
Auf der Rückseite sah es ein bisschen leer aus, also gab’s noch eine Werkzeugkiste und Werkzeug.
Die fertige Maschine, lackiert und leicht gealtert.
Bereit für den Einsatz, der Fahrer hat bereits Platz genommen. Er hat wieder einen Kaftan aus Papiertaschentuch und ein Kopftuch aus Zigarettenpapier. Der Fahrersitz der Lok besteht aus einem runden Neodymmagneten, der Fahrer hat eine kleine Blechplatte am Hintern. So sitzt er sicher, kann aber auch abgenommen werden.
Der Bau der Lok hat 50 Std. gedauert. Sonst mache ich ja vorher immer eine Zeichnung am Computer, diesmal habe ich einfach drauflos gebaut. Hätte ich mal besser auch diesmal eine Zeichnung gemacht, dann wäre es sicher schneller gegangen.
So Leute, das war Al Maëbad, der Tempel. Betriebstechnisch hat die Anlage ja nichts zu bieten aber sie ist ganz hübsch anzusehen und vor allem hatte ich `ne Menge Spaß beim Bauen.
Hallo Günni, das ist mal wieder eines von Deinen Meisterwerken. Und Du hattest Freude beim bauen. Damit hatten alle Beteiligten, die Besucher und der Erbauer schöne Erlenbnisse. Danke und weiter so. Gruß Henning
sehr schöner Modellbau - erinnert mich an ein Modul aus Voie Libre. Interessant der Fahrersitz mit passendem Magneten! Vielen Dank fürs Zeigen - hab ich mir gern angeschaut, Gruß von Uwe
Moin Günni, ist das ein SAHNESTÜCK!!!! Das ist echt Klasse was Du da gebastelt hast! Auch Dein Baubericht ist sehr informativ! Kleine Anmerkung , KEINE Kritik!: das Kamel hätte ich im Vordergrund als Skelett im Sand gemacht... Gruß Martin
Nicht nur das! Hier wird auch methodisch einiges vereint. Vom klassischen, wenn auch harten, freelancen auf alternden N Fahrwerken aus den 80ern des letzen Jahrhunderts, über ausdauernde Handarbeit bis 3d Druck. Ich kann mich nur für die Inspiration zum Thema Stuhlbau sowie für den Bericht bedanken und bin von Grundkonzept beeindruckt. Ick freu mir ja immer über koloniale Geshichten, aber das hier ist heißer Schei* auf Basis von einem Kreis, auf kleinsten Raum. Bericht, wie Anlage, wie Konzept sind -Achtung Wortspiel, oder wieder Britte sagt: pun - einfach wunnderschön!
So viele Details auf eine so kleine Anlage, so akribisch gemacht, dass muss man erstmal hinkriegen. Da verschlägts mir die Sprache und beim Ansehen auf der NuSSA habe ich bestimmt die Hälfte davon verpasst... Also auch deswegen Dank für den (Bau-)Bericht über die Anlage. Aber auch der kleine Gewinnungsort auf der Rückseite der der Bergwerksbahn fand ich klasse gemacht, dank fürs Zeigen!
danke auch von mir für Deinen Baubericht. Eine tolle Anlage! Das gefällt besonders dem Archäologiefreund in mir. Ägyptische Schriftzeichen sieht man ja viel zu selten auf Modellbahnanlagen. Diese Lücke ist nun meisterhaft gefüllt.
Nochmal was zu den Figuren. 3drifter stellt ja überwiegend Schauspieler in ihren Filmoutfits oder andere Künstler dar (man kann die kompletten Beatles, Queen oder die ganze Mannschaft von Fast and Furious bekommen). Das steht aber an den Figuren (wohl aus rechtlichen Gründen) nicht dran. Wenn man aber auf die Bilder zum Vergrößern klickt, wird oft der Originaldateiname mit dem Künstlernamen angezeigt. Ich hatte mir die Figuren nach ihrer Körperhaltung augesucht aber hinterher mal nachgeguckt. Der 'Ausgrabungsleiter' hinten links im weißen Hemd ist Matt Damon in der Rolle als Carol Shelby in "Le Mans '66". Die Dame neben ihm ist Laura Dern im Outfit aus "Jurassic Parc". Und der Typ am Tisch im blauen Hemd ist Roger Taylor, der Drummer von Queen. Der Kerl am Computer war ein Rennleiter mit dickem Gehörschutz auf. Den hatte ich hauptsächlich wegen des Computers ausgesucht. Den Gehörschutz hab ich abgschliffen und ihm ein neckisches (Papier)Hütchen aufgesetzt. Die restliche Bande sind hauptsächlich Bauarbeiter, deren Helme ich zurechtgefeilt und mit Krempen aus Papier zu "Indiana Jones" Hüten gemacht habe. Wie hieß es beim Bauhaus (das richtige, nicht der Baumarkt) in den 20er Jahren: "Form follows function" .
Die Diesellok hat mich am Ende auch noch noch ein bisschen genervt. Ich hatte das Fahrwerk zurecht gemacht und getestet. Der Aufbau war bereit und der Lack war am Donnerstag Abend trocken. Freitag morgen sollte es zur Nussa gehen. Ich habe die Lok zusammengebaut, aufs Gleis gestellt, den Strom aufgedreht und .... nichts!! Kein Mucks, kein Ruck, kein Brummen. Sie stand wie angeschraubt. Also, wieder auseinandergeposelt, Strom ans Fahrwerk gehalten, lief einwandfrei. Wieder zusammengbaut, aufs Gleis, Strom. Stand wie 'ne ägyptische Pyramide. Langsam kamen ungute Gefühle im Bauch hoch. Das Ding soll doch morgen laufen! Durch die Motorattrappe konnte ich bis zur Schnecke sehen. Und da war was Dunkles. Wieder auseinander. Ich hatte die freien Bereiche im Aufbau ja mit Lötzinnstücken als Zusatzgewicht gefüllt. Und eins dieser Stücke war um einen Gnant zu lang und tippte ganz leicht auf die Schnecke. Etwas abgekniffen, wieder eingebaut und ... hurra, läuft. Aber wie? Die Lok ist gehoppelt wie ein Hase. AARRRGGGH !!! Wasn jetzt wieder? Es war mittlerweile nach 20 Uhr und die Panik kroch langsam den Nacken hoch. Eine genauere Inspektion ergab, dass auf einem Rad ein winziger Klebstoffklumpen war. Abgekratzt, aufs Gleis, jaaaaa! Gottseidank, alles gut. Puuhhhh. Mal wieder ein Beispiel für die Hinterhältigkeit der toten Materie.
Gut, ohne Sowas wäre Modellbau ja auch langweilig. Einfach zusammenbauen und funktioniert kann ja jeder .