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Dieses Thema hat 8 Antworten
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Sauerländer Kleinbahner Offline




Beiträge: 442

26.07.2026 23:51
Obduktion des Phantoms: Säuretopfwagen 1512 der K.A.E. Antworten

Moin,

einigen von Euch wird bekannt sein, dass die Kreis Altenaer Eisenbahn von 1928 bis mindestens 1951 einen zweiachsigen Säuretopfwagen im Bestand hatte. Der steht heute im Stadtmuseum in Lüdenscheid zusammen mit Lok 23, G-Wagen 335 und einem der typischen vierachsigen Personenwagen. Allerdings wurde der Wagen in den 50ern zum Flachwagen 812 umgebaut. Über das Aussehen des ursprünglichen Säuretopfwagens hüllt sich bis heute der dichte Nebel der Geschichte, da weder Zeichnungen noch Fotos bekannt sind. Was ist bekannt?

Hersteller ist Killing. Der Wagen hat hat eine Länge von 6,45 m, Achsstand 3 m und an einem Wangenende eine Handbremse. Für die ätzende Ladung standen 6 Behälter à 1,05 m³ zur Verfügung.

Das Problem bei dem Versuch der Rekonstruktion ist die Form und Anordnung der Säuretöpfe. Aus alter Chemie- sowie Stein-Erden-Literatur, die ich dazu mal gewälzt habe, haben die sind die Töpfe 1,0 - 1,1 m breit und 1,6 m hoch. Größte Fahrzeugbreite bei der Schnurre waren 2,2 m. Selbst bei den schmalsten Pötten bleiben 20 cm für drei Profile (zwei außen, eins mittig) + Holzklötze zum Verkeilen. Für eine symmetrische Anordnung von 2 Reihen à 3 Töpfen ist das ziemlich wenig. Modellbau-Kollegen haben versucht, solche Wagen zu rekonstruieren, die Ergebnisse überzeugen mich nicht. Möglicherweise waren die Behälter lange und dünne Spezialanfertigungen?

Ich hatte vor kurzem die Gelgenheit, den Delinquenten im Stadtmuseum mal genauer unter die Lupe und unter dem Rock zu schauen:


So präsentiert er sich zwischen dem 335 und dem Personenwagen. Beladen mit dem typischen Ladegut der K.A.E.: Drahtrollen.


Mal in die Hocke gehen.


Das Fahrgestell besteht aus den höheren Längsträgern, niedrigeren Querträgern und darauf niedrigere Längsträger. die Beplankung ruht ausschließlich auf den vier Längsträgern und ist umlaufend mit Winkelprofilen gegen Beschädigungen geschützt.


Man sieht hier auch die besondere Bauart der Räder, die mir hier zum ersten Mal aufgefallen ist: es sind keine klassischen Speichenräder, sondern Scheibenräder mit angegossenen Speichen; die Flächen zwischen den Speichen sind mit runden Löchern versehen.


Die Stirnseite mit der Bremserbühne. Keine Besonderheiten, außer das diese Seite gefühlt einen etwas größeren Abstand zur nächsten Achse hat, was aber eigentlich selbstverständlich ist.


Und das beste zum Schluss: die andere Stirnseite. Hier habe ich diese definitv abgebrannten Laschen entdeckt. Auf der anderen Stirnseite sind da die inneren Längsträger und die Ständer des Bühnengeländers vernietet. Aber hier nur diese Rest. Möglicherweise gingen die mal weiter hoch, als Teil des Traggerüstes für die Töpfe?

Das nächste Mal werde ich mal eine Skizze und ein Maßband mitnehmen.

Grüße

Jörn


rofra Offline




Beiträge: 1.700

27.07.2026 07:38
#2 RE: Obduktion des Phantoms: Säuretopfwagen 1512 der K.A.E. Antworten

Hast du dich mal bei anderen Schmalspurbahnen umgesehen? Ich muss ehrlich gestehen, mir ist zwar noch keiner bewusst untergekommen, aber vll. gibt es auf 785mm Spur (irgendwie ist mir so...) oder auf anderen Meterspurnetzen vergleichbare Fahrzeuge? Vll sind sie generell ähnlich mit anderen Behältertragwagen? Ist der Hersteller bekannt? So Individuell waren die großen Wagenhersteller ja auch nicht unterwegs

Auch wenn weder die Bahn, noch Säuretopfwagen meins sind, ein sehr spannendes Thema. Danke fürs mitnehmen!

~ from prussia with love ~

der franke, der robert


Sauerländer Kleinbahner Offline




Beiträge: 442

27.07.2026 08:47
#3 RE: Obduktion des Phantoms: Säuretopfwagen 1512 der K.A.E. Antworten

Moin,

Hersteller ist - wie gesagt - Killing und mit Behältertragwagen haben - klassische - Säuretopfwagen außer einem Rahmen mit zwei Achsen nicht viel gemeinsam. Die Steinzeug-Töpfe befanden sich in einem Gestell aus Stahlprofilen und waren darin mit Holzkeilen arretiert. Aber vielleicht bin ich da auch auf einem ganz falschen Weg 🤷🏻‍♂️

An wahrscheinlichsten halte ich Spezialanfertigungen der Töpfe.

Grüße

Jörn


kkwup Offline




Beiträge: 88

27.07.2026 10:06
#4 RE: Obduktion des Phantoms: Säuretopfwagen 1512 der K.A.E. Antworten

Moin Jörn,

das ist ein interessanter Beitrag, auch wenn er mehr Fragen als Antworten liefert. ;-)
Sonderanfertigungen sind immer teuer. Warum sollte gerade eine sparsame Kleinbahn dazu greifen, wenn es doch preiswerter geht? Falls die von Dir genannten Basisdaten zutreffen, speziell die Anzahl der Töpfe (6), dann liegt die pragmatischste Lösung doch auf der Hand. Wenn man die jeweils drei Töpfe pro Längsreihe in Längsrichtung versetzt und "auf Lücke" anordnet, kann man die fehlenden Zentimeter in der Breite locker herausholen. Bei der Wagenlänge wäre dafür reichlich Platz. Das Tragegestell dürfte wohl ohnehin eine Einzelanfertigung gewesen sein, da spielt die abweichende Anordnung zu den Regelspurwagen bezüglich der Kosten keine Rolle. Nur Schade, dass es keinen Bildbeleg gibt, aber das wäre mich für die plausibelste Lösung. Doch das ist nur Spekulation, kein Wissen.
Ich drücke Dir die Daumen für weitere echte Erkenntnisse bei Deiner spannenden Detektivarbeit.

Viele Grüße
Klaus


kkwup Offline




Beiträge: 88

27.07.2026 16:51
#5 RE: Obduktion des Phantoms: Säuretopfwagen 1512 der K.A.E. Antworten

Hallo zusammen,

mir ist da noch ein Gedanke gekommen, der mich nicht loslässt. Ist etwas mehr über den Einsatz dieses Wagens bekannt?
Ich frage, weil die Handhabung der Ladung nicht gerade einfach ist. Habe selbst Jahrzehnte in der chemischen Industrie gearbeitet und kenne mich einigermaßen aus. Die Säuretöpfe wurden üblichwerweise am Herstellort der Säure befüllt und beim Endverbraucher direkt entladen. Man benötigt für beide Vorgänge schon recht spezielle Gerätschaften. Ein Umladen von Regel- auf Schmalspur halte ich daher für ziemlich unwahrscheinlich. Man hätte dazu die Ladung umpumpen müssen, mit allen Konsequenzen (Spezialequipment, Gefahrenpotenzial). Das spräche für eine ausschließliche Verwendung des Wagens im Binnenverkehr der KAE. Gut, metallverarbeitende Betriebe kommen durchaus als Abnehmer in Frage, aber gab es dort im Raum auch eine chemische Fabrik, die solche Säuren hergestellt hat? Bin jetzt mit der Industriegeschichte des Sauerlandes nicht so vertraut.

Fragende Grüße
Klaus


Sauerländer Kleinbahner Offline




Beiträge: 442

27.07.2026 19:18
#6 RE: Obduktion des Phantoms: Säuretopfwagen 1512 der K.A.E. Antworten

Hallo Klaus,

die Idee über die Verwendung und den Eigentümer ist ein sehr guter Ansatz, den ich noch verfolgen muss. 1.050 l waren mittlere "Standard-Gemäße", mit denen man einen Topf Staatsbahn 1:1 in einen Topf Schmalspur umpumpen könnte - mit allen daherkommenden Konsequenzen.

Im Geschäftsbericht von 1936 wird das Fahrzeug als "Privattopfwagen" aufgeführt, ohne den Eigentümer zu benennen. Ad hoc fallen mit nur metallverarbeitende Betriebe mit Galvanik ein, welche dafür Verwendung hätten. Aus der Auflistung der Anschließer aus dem Bürnheim/Moll geht allenfalls die Chemische Fabrik und Lackfabrik Dr. Hofmann in Oberrahmende als eindeutiger potentieller Kandidat hervor. Aber auch die Vereinigten Deutschen Metallwerke in Eveking waren sehr umtriebig auf dem Sektor der Metallverarbeitung. Andererseits könnte beim Lüdenscheider Gaswerk irgend etwas ätzendes angefallen sein; allerdings fällt bei der Herstellung von Stadtgas i.d.R. keine Schwefelsäure an. Das ganze untermauert den Ansatz mit dem Binnenverkehr. Aber hier begebe ich mich wieder auf das dünne Eis der Spekulationen.

Grüße

Jörn

Edit: der 1512 war schon vor einigen Jahren mal Thema im Schmalspurtreff, noch zu Kalles Zeiten. Ein damaliges Mitglied hat seinen 0e-Güterzu der K.A.E. vorgestellt, neben einer Hohenzollern-Lok eben auch der rekonstruierte Säuretopfwagen. Ein Bekannter hat mir gerade die Bilder geschickt, die ich leider ad hoc nicht gefunden habe. Die Bei der Rekonstruktion wurde das Problem mit der Anordnung durch die schon ins Spiel gebrachte diagonale Anordnung gelöst mit passablen Ergebnis.


Hespertalbahn Offline




Beiträge: 270

27.07.2026 21:02
#7 RE: Obduktion des Phantoms: Säuretopfwagen 1512 der K.A.E. Antworten

Hallo miteinander!
Jörn, hast Du W.D.Groote schon mal dazu befragt?
VG
Dirk


Sauerländer Kleinbahner Offline




Beiträge: 442

27.07.2026 22:02
#8 RE: Obduktion des Phantoms: Säuretopfwagen 1512 der K.A.E. Antworten

Latürnich. Er und der Bekannte haben auf den Schmalspurtreff-Thread aus 2018 von Michael "dieschnurre" verwiesen, der leider diversen Forenumuzügen zum Opfer gefallen ist. Glücklicherweise haben die beiden den Artikel gerettet. Ich warte jetzt noch ab, ob das Keramikmuseum in Höhr-Grenzhausen noch etwas zu den Töpfen sagen kann.

Grüße

Jörn


Sauerländer Kleinbahner Offline




Beiträge: 442

28.07.2026 13:35
#9 RE: Obduktion des Phantoms: Säuretopfwagen 1512 der K.A.E. Antworten

Zwischenerkenntnisse: Das Keramikmuseum hat mir einen Katalog der Westdeutschen Steinzeug-, Chamotte- u. Dinas-Werke (WSW) geschickt, aus dem die Hauptabmessungen für die Töpfe nach DIN 7020 (unten Kegelstumpf mit nach unten verjüngendem Durchmesser, oben Kuppelk - vorzugsweise für stationäre Säurespeicher) und 7021A (Zylinderform, vorzugsweise für den Eisenbahntransport) sowie speziell für van der Zypen & Charlier entwickelte Eisenbahntransportbehälter. Letztere sind besonders bruchsicher, besitzen dazu einen gewöblten Boden und innere Verstärkungsringe; Form nach unten leicht verjüngend.

Killing kam 1927, also im mutmaßlichem Jahr der Bestellung, ein Jahr vor der Lieferung von Wagen 1512, zusammen mit Weyer zu van der Zypen & Charlier. 1928 wurde noch Gastell übernommen; die Produktionsstandorte waren Köln und Mainz, während Hagen und Düsseldorf geschlossen wurden. Man firmierte fortan unter "Westwaggon".
( https://de.wikipedia.org/wiki/Killing_%26_Sohn )

Grüße

Jörn


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