ein Projekt was mich seit den Anfängen meiner modellbahnerischen Schmalspurzeit, wenn nicht sogar schon seit beginn meiner Leidenschaft für schienengebundende Logistik im Modell als Kleinkind herumtreibt, ist die, dem Thema seinen Namen gebende, Buckower Kleinbahn.
Anbei zwei Impressionen von einer der markanten Stellen auf der Strecke, an der alten Mühle bei Dahmsdorf.
Der Blick geht aus Richtung Müncheberg auf den aus Buckow kommenden Zug.
Ca. 100 Jahre Später aus der Gegenrichtung: Das gleiche Gebäude, diesmal ohne Zug, die Spurweite hat sich fast verdoppelt und der Blick geht Richtung Müncheberg
Zum Vorbild
Buckow ist ein kleines Städtchen irgendwo zwischen Berlin und Polen, heutzutage zumindest. Vielleicht einigen bekannt als Kurort oder dadurch, dass Bertholt Brecht und Helene Weig(e)l, hier tätig waren. Ersterer war als Mensch vielleicht Streitbar aber zumindest hatte er Seinesgleichen und die Welt um ihn herum verstanden (siehe z. B.: https://lyricstranslate.com/en/bertolt-b...ral-lyrics.html). Ein komischerweise inzwischen recht unbekanntes kurzes Werk, was man aber immer im Hinterkopf behalten sollte.... Seis drum. Was Herrn Brecht + Frauen, genau wie viele Berliner, in dieses Städtchen in der brandenburger Pampa zog, war und ist die landschaftliche Schönheit. Inzwischen kommt ein gepflegter Ortskern der sich seit gut 100 Jahren nicht verändert hat dazu. Eingebettet zwischen Seen und Wäldern, bot das kleine Städtchen, knapp 50km vor den Toren Berlins, Erholung für die ab mitte des 19. Jahrhunderts vom Großstadtstress geplagten Berliner. Dabei war es einer von vielen Orten im Jrünen die man für einen Tagesausflug in der Sommerfrische nutzen konnte. Vorteilhaft war dabei sicherlich die nähe zur Preußischen Ostbahn, einer Hauptbahnlinie die recht geradlinig von Berlin an die Grenzen des damaligen Russischen Zarenreiches führte und wenige Orte direkt Bediente aber dafür schnelle Truppenbewegungen Richtung Osten ermöglichte, um im Zweifelsfall der königlichen Verwandschaft im fernen Russland mal kurz auf die Finger zu hauen. Siehe dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Buckow_(M%C3%A4rkische_Schweiz) und https://de.wikipedia.org/wiki/Preu%C3%9Fische_Ostbahn (man fordert aus Polen derzeit übrigens, dass hier das zweite gleis wieder aufgebaut und elektrifiziert wird...)
Für Buckow war diese Situation zwar vorteilhaft, aber dennoch suboptimal. Buckow liegt nämlich, genau wie das Oben schon einmal erwähnte Müncheberg ca. 5km vom nächsten Bahnhof entfernt und dieser nannte und nennt sich Müncheberg. Zwar boten Fuhrunternehmer mit Kutschen entspr. Verbindungen an und ach der Fußweg zum Ort war und ist Reizvoll, doch das befriedigte weder die eher trägen Berliner, noch das Geltungsbewusstsein der Buckower, sodass man schon ab den 1880er Jahren über eine Kleinbahn nachdachte. Das moderne Verkehrsmittel sollte nicht nur Transportmittel sondern auch Werbung für den Ort werden. In Müncheberg konnte man sich erst nach der Jahrhundertwende für eine Kleinbahn, hier gleich in Normalspur, entscheiden. Diese Verschwand etwa Zeitgleich mit der Oderbruchbahn (https://de.wikipedia.org/wiki/Oderbruchbahn).
Der erste Versuch war dabei eine 750mm Kleinbahn mit erst zwei, dann 3 Stationen auf ca. 5km Strecke Verteilt. Endpunkte waren der sparsam ausgeführte Bahnhof Müncheberg mit direkt Anschluss an Berlin und später das Oderbruch sowie Buckow mit Lok- und Wagenschuppen inkl. Werkstatt, als Betribesmittelpunkt. Auf halber Strecke befand sich schon länger das Dorf aber erst ab dem frühen 20 Jhd. der Bahnhof/Haltepunkt Wüste bzw. Wald Sieversdorf. Der Ort änderte Anfang des Jahrhunderts tatsächlich seinen Namen. Von "Wüste Sieversdorf" nach "Waldsieversdorf". Zum Einen, weil sich das Landschaftsbild durch Aufforstungen massivst änderte, zum Anderen weil man hier, wie Buckow, vom Tourismus profitieren wollte und der Name eher Abschrecken wirkte. Die mögliche Konkurenz zu Buckow war wohl auch einer der Gründe, warum der Ort nicht von Anfang an einen Haltepunkt hatte und die Waldsiversdorfer hier lange um eine Station kämpfen mussten, die später ausgebaut wurde und heute m. E. bedarfshalt ist. Der Bahnhof selbst ist dabei inzwischen ein Wohnhaus.
Anspruch und Realität sind dabei 2 paar Schuhe. Dies führte dazu, dass die Buckower Kleinbahn zwar gut 20 Jahre vor der Müncheberger Kleinbahn entstand aber in ihrer schmalspurigen Form, eine sich zwar finanziel tragende aber betrieblich unbefriedigende Lösung war. Mehr als 3 Loks und 6 bis 8 Wagen gab es bis zur Umspurung auf Normalspur, ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts, nicht. Die Loks hatten eher Feldbahncharachter und waren einfache C-Kuppler (wohl von Krauss aus München), die Wagen 4 Achsig. Zwei Personenwagen, 1 Postwagen, ein paar offene und ein geschlossener Güterwagen dürften der gesamte Fahrzeugbestand gewesen sein. Der Güterverkehr war eher unbedeutend, der Anschluss ans Oderbruch zur Versorgunge der Touristen aber nicht ganz unwichtig. Der Personenverkehr war aber wohl so befriedigend, dass die 2 Wagen trotz kurzer Fahrtzeit oft nicht alle Passagiere aufnehmen und die kleinen Loks mit den vollbesetzten Zügen in der Endmoränenlandschaft überfordert waren. Zwar hatte man das Gelände durch eine Vielzahl von Einschnitten und Aufschüttungen halbwegs eingeebnet, wohl aber auch die Möglichkeiten der kleinen Loks überschätzt. Geschichten erzählen, dass man damals zum Aussteigen und Schieben aufgefordert wurde. Spätestens nachdem Versuche im Rollbockverkehr scheiterten, war man sich bewusst, dass die Bahn einfach zu klein und sparsam konzeptioniert war.
Nach Krieg und Krise wurde die Bahn Ende der 1920er Jahre auf Normalspur umgebaut (parallel zum Schmalspurbetrieb) und 1930 der elektrische Betrieb aufgenommen. Eine Lösung die den ursprünglichen Ansprüchen gerecht wurde und bis heute funktioniert, auch wenn der elektrische Planbetrieb Anfang der 90er und der komplette Betrieb am Ende eben dieses Jahrzehnts eingestellt wurde. Der Museumsbetrieb wird bis heute aufrecht erhalten und ist ein kleiner Publikumsmagnet. Die schmalspurige Buckower Kleinbahn diente dabei auch als Förderbahn für den Bau der Normalspurtrasse und wurde nach der Betriebsumstellung komplett abgebaut.
Kurz vor Einstellung des Schmalspurbetriebs. Im Vordergrund die Normalspurgleise inkl. Oberleitung.
Aber darum soll es hier nicht gehen, dennoch Siehe dazu:
Die Buckower Kleinbahn reizt mich, dadurch dass ich im oben erwähnten Müncheberg aufgewachsen bin, schon immer. Zum 100 jährigen Jubiläum der Strecke hatte ich damals noch als kleiner Junge, mit dem TT Oval im Kinderzimmer, zum ersten mal eine Modellumsetzung des modernisierten und elektrifizierten Bahnhofs, ebenfall in 1:120, gesehen was mich fasziniert hat. Gebäude und Fahrzeuge, zwar mit bescheidenen Möglichkeiten aber im kompletten Eigenbau umgesetzt.
Als ich zum ende der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts angefangen habe mich mit Schmalspur und H0e zu beschäftigen kam mir Buckow schnell in den Sinn. Und genauso schnell verschwand es wieder. Die Quellenlage war und ist bescheiden. Keine Maße für Fahrzeuge, Gebäude oder Gleisanlagen, zu sehen ist fast 100 Jahre nach der Umspurung fast nichts mehr. Fahrzeuge gab und gibt es nicht am Markt, bestenfalls durch die miese Quellenlage lassen sich ähnliche Wagenmodelle finden.
Eins der Modelle was den Vorbildern am nächsten kommt ist der Krauss'sche C-Kuppler von KS-Modellbahn in Spurweite 0e, der eine Umsetzung in der Größe aber nicht rechtfertigt. Der Bahnhof Buckow um den es hier gehen soll, bleibt für mich in der Umsetzung in 1:4x zu groß und die Quellenlage für eine halbwegs finescalige Umsetzung zu bescheiden.
Problematisch ist außerdem die Quellenlage. Von der schmalspurigen Buckower Kleinbahn ist m. E. außer von den im zur Bahngehörigen Büchlein enthaltenden Informationen kaum etwas erhalten oder bekannt. Viele der Informationen berufen sich auf Zeitzeugenberichte und der Fokus liegt klar auf der Nachkriegsgeschichte. Die Direktverbindung Richtung Osten war 1945 fatal für die Region, so dass viele Dokumente entweder verloren gegangen sind oder vernichtet wurden.
Außer Hersteller und einfachen Skizzen gibt es keinerlei Informationen zum Rollmaterial. Den ursprünglichen Streckenverlauf kann man nur anhand stellenweise doch recht breiten Böschungen Erahnen, die Bahnhöfe und Haltestellen wurden komplett überbaut. Auch die bekannten Abbildungen sind eher mäßig. Anhand der umstehenden Bebauung und der Abbildungen inkl. Fahrzeugmaßen kann man bestenfall Gleislängen schätzen. Auch per google maps lassen sich hier noch ein paar Planumsreste herbeifantasieren.
Auch wenn die Ausgangsbedingungen eher herausfordernd sind, bietet die Buckower Kleinbahn und gerade der Bahnhof Buckow für Modellbahner aber erstaunlich viel: ein kompakter, generischer Fuhrpark und kleine, zweckmäßige Betriebsanlagen.
Der Bahnhof Buckow
Dank der buchstäblichen Parallelen zur normalspurigen Buckower Kleinbahn, bietet sich ein Blick auf den heutigen Bahnhof an.
Besser gesagt auf das direkte Umfeld. Buckow selbst blieb vom Krieg halbwegs verschont und so kann man die Hauptstraße und vor allen Dingen die dortigen Gebäude als Orientierung nutzen. Für die Ortsunkundigen sei zur besseren Orientierung erwähnt, dass der Dahmsdorfer Weg über Waldsieversdorf parallel zur Strecke zum Bahnhof Müncheberg führt. Es handelt sich um den gleichen Weg der oben an der Mühle vorbei und dort die Gleise kreuzt.
Der Vollständigkeithalber noch der heutige Gleisplan im Spoilerkasten:
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Bis zum Ende der 1920er Jahre sah das ganze noch so aus und dürfte etwas Kompakter gewesen sein.
Der Blick geht hier über die alten Bahnanlagen Richtung Hauptstraße / Dahmsdorfer Weg. Der Gleisplan zeigt, dass alle Anlagen, also Empfangsgebäude, 2 ständige Triebfahrzeughalle, Ladestraße mit Gleisanschluss und Umfahrgleis, wenn auch an veränderter Stelle und an die neuen Größenverhältnisse angepasst, auch schon zu Schmalspurzeiten vorhanden waren. Es ist zu beachten, dass die "Bahnhofsstraße" auf dem Gleisplan, die heutige Hauptstraße ist. Wer auf der verlinkten Karte etwas herumscrollt, sieht, dass die "neue" Bahnhofsstraße auch zum neuen Bahnhofsvorplatz führt. Sowohl der Vorplatz, als auch das stattliche Bahnhofsgebäude zeugen vom prestigeträchtigen Charachter der "neuen" Buckower Kleinbahn.
Durch das Betrachten der Bilder vom Umbauprozess, gehe ich derzeit davon aus, dass sich der alte Bahnhof an stelle der heutigen Ladestraße befand und die normalspurigen Gleisanlagen anstelle des ehem. Lok-und Wagenschuppen errichtet wurden sind. Die Bilder vom ersten Tag des elektrischen Betriebes zeigen noch deutlich den Baustellencharachter vieler Anlagen, die darauf warten, dass die Schmalspurbahn weicht.
Auch das folgende Bild dürfte etwa von den heutigen Gleisen zum Triebwagenschuppen aus entstanden sein und zeigt die alte "Tfz-Halle" sowie das ehem. Empfangsgebäude.
Die Gegenperspektive, div. Jahrzehne später:
Der Hügel lässt mich immer wieder grübeln, wie weit beide Bahnhöfe auseinander liegen. Was aber auch nur wichtig für das Schätzen der Größe der gesamten Bahnanlagen ist. Das folgende Bild zeigt aber schön, warum die Buckower Kleinbahn ihren Namen verdient hat:
Und was die Nachbildung erstrebenswert macht. Hoffe ich zumindest.
Umsetzung ins Modell
Das wäre jetzt sicherlich der interessante Teil, der kommt hier aber nicht. Das Thema wollte ich eigentlich ins "kleiner 1:87" Forum packen und als mein nächstes bzw. erstes richtige Projekt fixieren. Das ganze in 1:120 und auf ca. 1,20 länge. Gleichzeitig erscheint mir eine Umsetzung in 0e in den letzten Tagen immer reizvoller. Die Pro und Kontraliste dazu erspare euch mal, gleichzeitig wollte ich aber auch nicht den ganzen Beitrag verwerfen. Vielleicht kann sich einer was von mitnehmen. Die Idee von mir, ist hier immer wieder kurze Umsetzungsideen in div. Maßstäben, Spurweiten und Abstraktionsgraden festzuhalten bzw. vielleicht habt ihr auch welche? Sollte ich bahnbrechende, neue Erkenntnisse zum Thema haben, werde ich sie bei Interesse hier teilen.
Disclaimer
Sollte jemand ein Problem mit den Verlinkungen haben, bitte PM. M. E. handel ich hier im Rahmen der Möglichkeiten bzw. Notwendigkeiten. Aufgrund des Themas kann ich nicht für die Richtigkeit meiner Annahmen und Aussagen garantieren und freue mich über jede Diskussion oder Korrektur!
spätestens seit einer Ausstrahlung im Rahmen der "Eisenbahnromantik" mit einem Bericht über den Fahrrdahtklau(Kupfer!) bei der Buckower Kleinbahn, drängte sich mir die Idee über eine Umsetzung in 0e oder Normalspur Spur0 auf. Bf. Buckow ist so schön klein, der schreit nach einem Nachbau in Orginallänge. Die mangelhafte Datenlage sehe ich jetzt nicht unbedingt als Nachteil. Läßt sie doch viel Interpretationsspielraum offen.
Gruß Klaus
Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber die zweite Maus bekommt den Käse!
Hallo Robert, ein sehr schöner und interessanter Beitrag. Vor gaaaaanz langer Zeit hatte ich diese Kleinbahn auch mal zwecks Nachbau im Fokus. Verwarf die Idee aber aus den von Dir genannten Gründen und nahm mir die Kleinbahn Rathenow - Senzke - Nauen zum Vorbild mit leichter Anlehnung an die Schmalspurbahn Tangermünde - Lüderitz. De facto aber würde sich die Buckower Kleinbahn als Inspiration für eine free lance - Bahn anbieten egal ob schmalspurig oder normalspurig. Ich könnte mir auch gut vorstellen, daß man es sich antut und die Bahn mit Oberleitung ausstattet. Einfach kann jeder. Gruß Henning
Bei den Planungen zu einem Bahnhofsmodul für meine Aktivitäten in TTe habe ich mich in den letzten Tagen nochmal mit dem Bahnhof Buckow beschäftigt. Obwohl es wenige Bilder des schmalspurigen Betriebes bis in die Öffentlichkeit der Gegenwart geschafft haben, sind viele davon aus der Übergangszeit von Normal- auf Schmalspur. Für mich bisher eher unspannend. Da beide Bahnen eine sehr kurze Zeit parallel existierten bzw. der Betrieb von der Schmalspurbahn an die Normalspurbahn ohne Lücke übergeben wurde und sich gleichzeitig die Anlagen der Normalspurbahn bis heute nur unwesentlich verändert haben, haben sich gerade die betrieblich irrelevanten Bilder von Umbau und Abbruch, für die Rekonstruktion des alten Bahnhofs Buckow als glücklicher Umstand erwiesen. Gleichzeitig ist Buckow eine der wenigen Orte in der Region, die 1945 nicht vollständig eingeäschert wurden und die einzige Nennenswerte bauliche Änderungen zwischen Eröffnung der Schmalspurbahn und heute, ist tatsächlich der Neubau der Strecke in Normalspur inkl. neuen Bahnhof. Das heißt, alle auf den alten Bildern zu sehenden Häuser stehen noch heute und können ebenfalls als Orientierung herangezogen werden... Dieses Umstandsgemänge versuche ich gerade zu Nutzen.
Fest stand für mich, dass der heutige Bahnhof Buckow teilweise auf den alten Gleisanlagen entstand, wo genau und inwiefern sich was, wie geändert hat und wie, war für mich schwierig nachzuvollziehen. Auch länge und Dimensionen von Gebäuden und Fahrzeugen sind insgesamt nur schwer greifbar. Bis mir dieses Bild nochmal ins Auge stach. Wichtig für folgende Infos um Bildbeschriftungen nach vollziehen zu können: Der Photograf steht hier vor dem neuen Empfangsgebäude, ganz links der neue Triebwagenschuppen.
Interessant ist dabei der Oberleitungsmast vorne Rechts und das davor endende Schmalspurgleis, welche eine Positionierung und damit, im zusammenspiel mit den recht Zahlreichen aufnahmen des alten Bahnhofs Buckow, auch bedingt eine Einschätzung der Dimensionen des alten Bahnhofs zulassen.
Zuerst die ungefähre Position des Mastes im oben zu sehenden Gleisplan des ehem. Schmalspurbahnhofs:
Zusammen mit einigen, leider nicht verlinkbaren, Bildern die den Abbruch des alten Bahnhosgebäudes zeigen, in dem das Neue allerdings schon steht habe ich folgenden, ersten Rekonstruktionsversuch der alten Anlagen erstellt:
Braun das alte Empfangsgebäude, grau die alte Ladestraße. Zwischen den pinkfarbenen Gleisen findet man auch den rosafarbenen Mast wieder. Beim vergleich der Mastposition auf dem abstrakten Gleisplan, der Photographie und meiner Rekonstruktion fallen hoffentlich noch ein paar Diskrepanzen auf. An denen bin ich dran. Ich zeige hier nur einen ersten schnellen Entwurf. Bevor Blätter an den Bäumen sind, werde ich mir die Gesamtsituation nochmal persönlich anschauen, das wird auch nochmal helfen (wie gesagt der Photostandort ist - abgesehen von den fehlenden Schmalspurgleisen und einem Gütergleis, was auf der Fläche der Schmalspuranlagen entstand und jetzt nicht mehr existiert - noch so vorhanden!)
/edit:
Anbei nochmal, zur Orientierung, die Kombination aus einem der oben zu sehenden Motiven mit der aktuellen Luftansicht, samt erster grober Rekonstruktion.
Auch: Vielen dank an den Chief, dass er offensichtlich die Editierfunktion wieder zeitunabhängig zur Verfügung gestellt hat, das macht vieles einfacher :)
Auf Basis der alten Skizze hatte ich ja einen optimierten Entwurf angedeutet. Diesmal ist er teilweise bemaßt (dafür Kontrastärmer). Die Bildbasis stammt wieder von https://bb-viewer.geobasis-bb.de/ die Luftaufnahmen sind aber neueren Datums.
Die gesamte Ausrichtung des Bahnhofs sollte jetzt etwas stimmiger sein. Bei der länge Ausdehnung der Bahnanlagen Richtung Norden/Stadt, bin ich mir noch unsicher. Nicht auf allen Bildern lässt sich dass an der Ecke zu sehende Haus (am Orangenen Messpunkt) zur Orientierung heranziehen. Entweder wurde es erst später erbaut, oder die auf allen Bildern zu sehenden Bäume (auf dem Bahnhosvorplatz) verdecken es. Es könnte auch schlichtweg Nachbearbeitung zum Opfer gefallen sein.
Manchmal hat diese Verkehrswende, auch etwas Gutes. Am 1. Advent war ich unterwegs Richtung Berlin. Wie immer Sonntags, heißt das erstmal zum - von meiner Werkstatt aus - ca. 6km entfernten Bahnhof laufen. Auf den letzten Metern kam mir eine junge Dame entegen Grüßte nett und fragte mich, ob ich vor hätte den Zug Richtung Berlin zu nehmen... da wusste ich schon was los war. Der Zug fiel aus, eine Stunde warten... im Nichts... naja Fast. Nicht nur weil ich dringend auch ein Stilles Örtchen brauchte, stromerte ich etwas durch die Gegend und beschloss mich auch mal Bahnhof Müncheberg der Buckower Kleinbahn umzusehen. Viel war da nicht los. Das Wetter schlecht und Betriebspause ist auch gerade... Da hat man seine Ruhe.
Dessen imposantes Empfangsbebäude ist u. U. ein bekannter Anblick und historisch betrachtet war er auch Endpunkt (nicht Ausgangspunkt) zweier Kleinbahnen. Im folgenden rede ich aber primär vom Bahnhof Müncheberg der Buckower Kleinbahn. Gerade dessen Bahnanlagen sind aber äußerst unspektakulär (der Bahnsteig ist erstaunlich lang und die Wartebude eine der unschönsten... dafür gab es mal "schicke" Blumenbeete in Traktorreifen.), weshalb er von mir bisher übersehen wurde (außer beim Warten auf den Zug).
bzw. seinem Vorgänger für 750mm. Von dem gibt es ein mir bekanntes Bild:
Wichtig für folgende Betrachtungen ist der Ausgang zur Unterführung, ganz rechts im Bild (A) bzw. der Glaslaube des alten Tunnelausgangs. Der Blick von Oben, gibt ein Bild von der Gesamtfläche (B ist der formschöne Blechunterstand):
Da der Müncheberger Bahnhof der Buckower Kleinbahn jenseits der Streckengleise lag, wurde m. E. zur Eröffnung der Schmalspurigen Kleinbahn eine Überführung gebaut, die noch zu Schmalspurzeiten durch eine Unterführung ersetzt wurde. An dieser hat sich bis auf die Überdachung nichts geändert. Auf der historischen - älteren Aufnahme - sieht man, dass die alte Wartehalle sich hinter dem Eingang zur Unterführung (Heute ein Normalspurgleis ins nichts) und die Bahnhofsgleise direkt davor. Man kann davon Ausgehen, dass der Normalspurige Streckenneubau der Kleinbahn von Müncheberg ausging, was erklären würde warum die beiden Bahnhöfe nebeneinander, statt wie in Buckow "aufeinander" gebaut wurden. Aus der mir bisher bekannten Zeichnung, geht das nur bedingt hervor:
Gleichzeitig muss auch die Bahnhosausfahrt anders ausgesehen haben. Was mich zurück zu meiner Pinkelpause und einem erweiterten Übersichtsbild führt:
A ist wieder die Unterführung, C ist die im Eingangsbeitrag erwähnte alte Mühle. Orange der Streckenverlauf der normalspurigen BKB, blau der Vermutete Schmalspurige verlauf, beide ohne Umfahrgleise. Das war mir am Sonntag morgen aber so noch nicht vollumfänglich bewusst. Ich wollte einfach nur mal die Betriebsruhe auf der BKB nutzen und mir das einzig Streckenstück was nicht vom Weg aus einsehbar ist anschauen. An der Stelle an der sich die 3 Linien treffen liegt das in einem Einschnitt (die gesamte Kurve vom Bahnhof Richtung Buckow) und ist durch eine bewaldete Böschung weder einsehbar noch leicht zu erreichen.
Der Plan war, rauf auf die Böschung, sich ein hübsches Bäumchen suchen und dann die Strecke entlang zum Müncheberger Bahnhof zu laufen um dann über die Ladestraße zurück und den befestigten Weg zurück zum Bahnübergang zu kommen.
Oben auf der Böschung angekommen, zeigte sich aber dass hier erstmal einer weiterer, kleiner Einschnitt war an dessem Boden sich ein langgezogener kleiner Damm befand. Schnurerade mit einer doch recht starken Steigung, Richtung Normalspurtrasse abfallend schien sich mir ein Streckenverlauf abzubilden. Ich hatte zwar einen Zollstock dabei, ans Messen habe ich in dem Moment aber nicht gedacht. Die Kamera war natürlich nicht im Rücksack, sondern im Keller... Bilder folgen also (leider wird man im Sommer nichts erkennen, ich muss mich als ranhalten)...
Die andere Richtung blieb das Ziel jetzt aber dem Blauen u. U. Streckenverlauf folgend. Das klappte nicht ganz, so dass ich im späteren Verlauf das fehlende Stück von der anderen Seite abgelaufen bin. Ich würde aber am Ende behaupten, dieser Bogen ist das letzte nicht überbaute Überrest der alten Buckower Kleinbahn. Ich bin mir zwar sehr unsicher, ob man nach fast hundert Jahren (in 4 Jahren ist die Schmalspurbahn seit genau hundert Jahren überbaut) überhaupt noch was erkennen kann und anhand eines Bildes die Ausfahrt Bahnhofsausfahrt zu rekonstruieren ist Mutig aber das muss ich mir nochmal genauer Anschauen! Problematisch ist, dass man auf dem Bild zum Schmalspurbahnhof nur bedingt die Fahrtrichtung der Lok erkennen kann. Der Tunnelausgang und der Umstand, dass auf den meisten Bildern, die Loks mit Rauchkammer Richtung Müncheberg abgebildet sind, lässt darauf schließen, dass sich die Schmalspurigen Gleisanlagen unter der heutigen Ladestraße mit dem oben erwähnten Gleis ins nichts befanden.
Am Bahnhof selbst lässt eine recht große plane Fläche, auf die möglichen Reste der Bahnhofsgleise und Ausfahrt schließen. Das kann gut sein, auf Luftaufnahmen aus den 1950er Jahren ist hier aber noch Bebauung zu erkennen, d. H. auch hier wurde überbaut. Die Bilder von oben Zeigen primär Bäume. Der Bewugs könnte einen Streckenverlauf andeuten, ergibt sich aber primär aus der Bodenstruktur (an den Steigungen hängen entlang wachsen halt Bäume). Die "Lichtung" in der Mitte ist eine bewirtschaftete Wiese die einige Meter über den Gleisen und Bahnanlagen liegt und Grund für die Einschnitte ist. Er ist ein durch die Bahntrasse abgeschnittener Teil des Ackers darüber welcher auf einer recht hohen auf einer Endmoräne liegt die zwar zur Hauptbahn hin endet aber, durch die sich offensichtlich beide Buckower Kleinbahnen durchwühlen mussten. Im zweiten anlauf, hat man dann aber auf das Teilweise erklimmen der Endmoräne verzichtet, was man wohl Anfangs - vermutlich aus Kostengründen - unterlassen hat. Der alte Einschnitt ist wesentlich kleiner als der neue, nimmt dafür aber in beide richtungen Steigungen in kauf.
Ich hoffe auch ohne Ortskenntnis und aktuelle Bilder war der Beitrag halbwegs nachvollziehbar und vll. sogar etwas interessant.
Auf jeden Fall interessant. Ich nehme da für mich einmal mit, einfach mehr auf alte Trassenführungen zu achten. Vielleicht verbirgt sich eine beachtenswerte Angelegenheit. Schließlich wird nicht in allen Fällen per Schild auf die Vergangenheit hingewiesen (wie oftmals bei Bahnradwegen).