Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 930 mal aufgerufen
 1:45(43) - 0e, 0m, 0n30, 0n3, 0f
Armin-Hagen Berberich Offline




Beiträge: 430

17.06.2023 15:03
Tracteur Nr.4 der Bleckeder Kreisbahn Teil 1 und Teil 2 Antworten

Eine kleine Schmalspurlokomotive in Spur 0e. Entstanden aus einem seltenen Bausatz von Markus Klünder, ergänzt mit zusätzliche Details und Kleinteile.



Die Maschinenfabrik Eßlingen lieferte 1912 den Tracteur Nr.4 an die 750 mm Schmalspurbahn der Bleckeder Kreisbahn. Bei der ME hatte er die Herstellernummer 3622/1912. Wie die Dampftriebwagen hatte auch der Tracteur einen Stehkessel System Kittel. Der Einsatz war nicht nur auf Rangierarbeiten beschränkt, es wurden mit ihm auch leichte Güterzüge und Personenzüge befördert.

Ein langes Betriebsleben war dem Winzling nicht beschieden, da die Strecke bereits 1919 von einem neuen Betreiber auf Regelspur umgebaut wurde. Was aus dem kleinen Tracteur wurde ist mir nicht bekannt. Dies ist wahrscheinlich auch mit der Grund, daß der Tracteur weitgehend in Vergessenheit geriet und kaum dokumentiert wurde.

Für den Modellbau verwertbare Fotos sind bis auf das Werksfoto mit einer Seitenansicht nicht bekannt. Die Postkartenfotos lassen eigentlich nur eine Interpretation zu, wie der Tracteur im Einsatz war. Dann gibt es noch Werkzeichnungen, die mehrfach geteilte Längs- und Querschnitte sowie Teilansichten zeigen.

Nun zum Modell im Maßstab 1:45. Eigentlich ist die BL.K.B. überhaupt nicht mein Thema, aber eine Schmalspur-Lokomotive der Maschinenfabrik Eßlingen ist für mich immer interessant. Vor vielen Jahren zeigte Markus Klünder erste Ätzbleche des Modells und mir war sofort klar, daß ich dieses Teil bauen muß. Einige Jahre später bekam ich von Markus eine erste Teillieferung mit den Ätzblechen für die Karosserie und einen fahrbereiten Antriebsblock. Etwas später wurden die Platine mit der Steuerung, die Gußteilen für die Steuerung und die Zylinder geliefert. Das Modell blieb nun einige Jahre liegen, da es keine Lösung für den Stehkessel und die anderen noch erforderlichen Gußteile innen und außen gab.

Dieses Frühjahr habe ich den Dampftriebwagen von Henke gebaut und war es war logisch, daß nun auch der Kittel Tracteur der BL.K.B. an der Reihe ist. Also wurde mit dem Zusammenstellen der fehlenden Teilen begonnen. Den Stehkessel und die Rauchkammer auf dem Dach mußte ich in 3D konstruiert und drucken. Sämtliche Ms-Gußteile am Kessel und in den Führerständen wurden von Thomas Spieth bezogen (er hat die entsprechenden Teile für den Henke Dampftriebwagen hergestellt). Für weitere Teile die fehlten (Saugluft-Bremsventil, Öler für die Zylinderschmierung, Sicherheitsventil) wäre der Messingguß zu teuer geworden, deshalb habe ich sie ebenfalls als 3D Modelle konstruiert und gedruckt. Letztlich habe ich weitere Messinggußteile aus meinem eigenen Programm verwendet oder umgebaut und Einzelanfertigungen im klassischen Modellbau hergestellt. Die Mittelpuffer entsprechen nicht dem Vorbild, ich habe meine eigenen Kupplungen modifiziert um mit meinen anderen Fahrzeugen kompatibel zu sein.

Der Antriebsblock ist CNC gefräst, beide Achsen sind über Zahnräder angetrieben. Die Steuerung ist dadurch nicht für die Übertragung von Kräften erforderlich. Die montierten Scheibenräder wurden gegen Speichenräder von Slaters ausgetauscht. Der Stehende 2020 Faulhaber Getriebemotor wird vom Stehkessel umschlossen. Über dem Motor ist im Stehkessel der Micro Decoder von ESU eingebaut. Die Zugkraft des Winzlings ist dank der Masse von 330g für eine Spur 0e Schmalspurlokomotive beachtlich.

Mit diesem Baubericht möchte ich mich auch bei Markus bedanken. Er hat dieses einmalige Modell entwickelt und mir zugänglich gemacht. Wir standen während der Bauzeit mehrmals wöchentlich im Kontakt und versuchten zu klären, wie ein bestimmtes Detail aussieht. Manches habe ich dann auch einfach weg gelassen. Ich hoffe, daß meine Interpretation des Bausatzes bei Markus Akzeptanz findet.

Schaut Euch nun das Modell im Rohbau an. In der nächsten Woche sind die Lackierarbeiten auf dem Programm. Darüber berichte ich in einem weiteren Beitrag. Stört Euch nicht, wenn etwas schief hängt. Einige Teile sind nur gesteckt und werden erst nach der Lackierung befestigt. Ich hoffe mit den Fotos etwas Aufmunterung in die von vorsommerlicher Hitze geprägte Trägheit zu bringen.

Grüße aus VAI
Armin.























Zusammenstellung von Bauberichten


Sauerländer Kleinbahner Offline




Beiträge: 338

17.06.2023 15:07
#2 RE: Tracteur Nr.4 der Bleckeder Kreisbahn Antworten

Armin-Hagen, ich bin begeistert, was für Schmankerl Du immer wieder ausgräbst und uns präsentierst.

Grüße

Jörn

https://www.shapeways.com/shops/silbergraber
Fahrwerke und Drehgestelle für 0m-22,2 und 0e-16,5
Zubehör für H0e/H0m


Klaus-Dieter Kaufmann Offline




Beiträge: 103

17.06.2023 19:02
#3 RE: Tracteur Nr.4 der Bleckeder Kreisbahn Antworten

Hallo Armin,

Klasse! Aber das sind wir ja von Dir inzwischen gewöhnt. Ich bin auf die Farbgebung gespannt. Eine Frage zu den Bohrungen über den Übergangstüren: Sind die Bestandteil der Dachsicherung? Und nun doch noch eine zweite Frage: Wo hast Du die Verschlußknebel am Wasserkastebdeckel her? ... und gibts die noch?

Die Resinteile auf den Kohlekästen sehen wie Winden zum Anheben der Lok aus. Oder sind die was ganz anderes?

Gruß
Klaus

Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber die zweite Maus bekommt den Käse!


Peter.R. Offline



Beiträge: 21

17.06.2023 19:05
#4 RE: Tracteur Nr.4 der Bleckeder Kreisbahn Antworten

Hallo Armin,

wieder ein typischer "Armin". Einfach Klasse und exzellent gebaut, wie wir es eben von Dir kennen.

Grüße nach Vaihingen

Peter


Armin-Hagen Berberich Offline




Beiträge: 430

17.06.2023 22:05
#5 RE: Tracteur Nr.4 der Bleckeder Kreisbahn Antworten

guten Abend ihr Beiden,

herzlichen Dank für die Blumen. Es macht eben einfach Spaß, wenn man einen sehr guten Bausatz hat und dann die Herausforderung da ist doch noch ein Tüpfelchen zu setzen.

Klaus auf Deine Fragen kurze Antworten:
- ja die Bohrungen sind für die 0,5 mm Niete der Dachsicherung. Sie werden erst bei der Endmontage eingesetzt.
- die Verschlußknebel waren Reste aus der Bastelkiste. Ich hatte sie mir damals für die E44 selbst geätzt. Ich habe aber solche Teile auch schon als Ms Gußteile gesehen, weiß nur nicht mehr bei wem, evtl Demko oder 0-Problemo
- ja, die Winden sind auf den Plänen dort so eingezeichnet. Die Resinteile sind ebenfalls aus der Bastelkiste, es könnte sein, daß sie von Henke sind. Es gibt wunderschöne Winden bei Petau, die werde ich bei meinem nächsten Projekt verwenden.

Grüße aus VAI
Armin.

Zusammenstellung von Bauberichten


Armin-Hagen Berberich Offline




Beiträge: 430

30.06.2023 12:10
#6 RE: Tracteur Nr.4 der Bleckeder Kreisbahn Teil 1 und Teil 2 Antworten

Nachdem ich kürzlich Teil 1 des Berichts zum Trakteur Nr.4 der BL.K.B. mit den Bildern zum Rohbau eingestellt habe, zeige ich nun im Teil 2 die lackierte und fertig montierte kleine Lokomotive.

Zum Bausatz selbst ist im Teil 1 eigentlich alles geschrieben. Auf einen Punkt muß ich noch einmal eingehen. Meinen Text könnte man so verstehen, daß es für den Stehkessel und die Rauchkammertür auf dem Dach von Markus keine Lösung gab. So ist es nicht, er hatte vorgeschlagen aus zwei Kesseln des HENKE DWss einen neuen Kessel für den Tracteur zu bauen. Dies ist u.a. deshalb erforderlich, da der Tracteur nicht nur etwas andere Abmessungen hat, sondern auch für jede Fahrtrichtung eine Feuertüre besitzt. Der Tracteur war für die Bedienung mit einer Person vorgesehen und war deshalb von beiden Seiten zu bedienen. Die offene Frage für mich war, mache ich es auch so oder konstruiere und drucke ich die erforderlichen Teile komplett neu.

Jetzt kann ich eigentlich nur noch ein paar Erläuterungen zur Lackierung und Elektrik machen.

Fangen wir wieder mit dem Original an. Zur Farbgebung des Tracteurs gibt es wie bei vielen Originale von damals keine Quelle. Deshalb nehme ich an, daß ein Farbmuster wie bei den meisten privaten Kleinbahnen angebracht ist. Da mir eine schwarze Kastenlokomotive nicht gefällt, war die Entscheidung für die grün/rote Lackierung eigentlich schon gefallen. Die Engländer haben da eine größere Auswahl – Grün, Dunkelrot, Blau, Braun – schade, eine dieser Farben würde mir auch gefallen.

Die Sandstrahlkabine war schon gerichtet, da hat sich das Hirn und die Hand noch einmal gewehrt. Mensch Armin, denke nach! Der Wagenkasten, die Fahrwerksrahmen und die Pufferbohlen sind alle aus gedoppelten Messingblechen gelötet. Das bedeutet, daß das innere Trägerblech 0,4 mm aber die geätzten äußeren Schaubleche nur 0,2 mm dick sind. 0,6 mm Blechstärke wären für das Strahlen hervorragend. Was passiert aber , wenn die Bleche an manchen Stellen nicht vollflächig verlötet sind? Man sieht leider nicht zwischen die Bleche. Beim Sandstrahlen würden sich bei den 0,2 mm Blechen an den hohlen nicht gelöteten Stellen durch die Dehnung beim Strahlen sofort Beulen bilden. Die könnten nicht mehr glatt gebügelt werden. Das Modell wäre kaputt. Fazit, die Vorbereitung für die Lackierung erfolgte nach alter Väter Sitte mit ATA und viel Wasser.

Der Rest der Lackierung war wieder Routine und wurde schon in vielen anderen Berichten beschrieben. Die verwendeten RAL Farbtöne sind:

Kasten außen 6007
Kasten innen/unten 7022
Kasten innen/oben 7032
Dach außen 7022
Dach innen 1013
Pufferbohle, FG komplett mit Räder 7Tx8012 und 5Tx 3003 gemischt
Stehkessel, Rauchkammer, 9005
Innenboden braunbeige Mischung aus Resten

Noch ein Tipp aus der Lackierwerkstatt. Die separaten Ansetzteile, die schwarz lackiert werden (Kupplungen, Glocke, Laternen ...) grundiere ich nicht mehr. Sie werden sandgestrahlt, brüniert, abgebürstet und dann schwarz lackiert. Die Haftung ist hervorragend und wenn an der Kante der Lack abplatzt, dann ist darunter schwarz und kein heller Fleck. Die Stellstangen auf dem Dach sind nur brüniert. Leider gelingt es kaum, fest eingelötete Kleinteile mit dieser Methode einzufärben.

Da die Laternen sehr groß sind, das waren sie tatsächlich auch beim Vorbild, konnte ich wieder kleine 12 Volt Glühbirnchen einsetzen. Die sind mir lieber, da es keine vertauschen Pole gibt, man kann sie durch Überspannung nicht so schnell „verbrennen“ und das gedimmte Licht ist bei alten Lokomotiven einfach schöner. Die Verkabelung wurde in den Wasser-/Kohlekästen und im Zwischenraum des Doppelbodens geführt. Der Rest des Zwischenraums im Boden wurde mit 1mm Walzblei ausgelegt.

Der ursprünglich vorgesehene ESU Lokpilot micro hat unterwegs den Geist aufgegeben. Der ESU Lokpilot DCC V5 ist etwas kleiner wie der ältere V4 und konnte so über dem Motor im Stehlkessel eingebaut werden. Mit den micro Decoden habe ich einfach kein Glück. Auch bei einem anderen Projekt hat sich so ein Winzling verabschiedet.

Die Frage „was gibst Du denn für so ein Modell aus?“ kann ich nur ungefähr beantworten, ich habe nichts aufgeschrieben. Wenn man den Bausatz von Markus, alle zusätzlichen Teile die dafür gekauft wurden oder aus meiner Gußteilekiste kommen, die neuen Räder, den Decoder und eine kleine Pauschale für Schräubchen, Niete, Lacke etc. ansetzt, dann dürfte ich für den kleine Tracteur um 500 Euro ausgegeben haben. Ich weiß, für manchen ist das sehr viel Geld, wer jedoch zum Vergleich jede Woche nur eine Schachtel Torpedos durch die Lunge jagt, der gibt dafür genau so viel aus und lebt mit mehr Risiko.

Als Fazit möchte ich zum Projekt „Tracteur Nr.4 der Bleckeder Kreisbahn in Spur 0e“ sagen, es ist ein exquisiter Bausatz, der viel eigene Kreativität zuläßt und viel Spaß beim Basteln bereitet. Hierfür noch einmal ein ganz, ganz großes „Dankeschön“ an Markus Klünder für ein Modell, das vermutlich auf keiner Ausstellung und nur bei ganz wenigen Treffen zu sehen sein wird.

Was sich als nächstes auf meiner Werkbank ausbreitet steht noch nicht hundertprozentig fest. Auf jeden Fall wird es wieder etwas auf schmaler Spur in Spur 0e sein.

Grüße aus VAI
Armin.























Als Nachschuß noch ein Foto mit der Überschrift „Plettenberg trifft Bleckeder Kreisbahn“. Auf diesem Foto ist wunderbar das Größenverhältnis der beiden Kasten-Dampflokomotiven zu erkennen. Der Unterschied liegt eigentlich nur in der Länge, die Höhe ist nahezu identisch. Bemerkenswert ist, daß auch die Breite des Wagenkastens fast gleich ist, obwohl hier eine 1000 mm Lokomotive auf eine 750 mm trifft.

Zusammenstellung von Bauberichten


Martin Offline




Beiträge: 1.039

01.07.2023 06:27
#7 RE: Tracteur Nr.4 der Bleckeder Kreisbahn Teil 1 und Teil 2 Antworten

Moin Armin,

das ist perfekter Modellbau, danke für die phantastischen Bilder !!!

Viele Grüße aus der Hildesheimer Börde

Martin

DelTang-Funkloks,
Wald- und Feldbahnen 0e, 16,5 mm,
Maßstab 1:45


 Sprung  
Xobor Ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz