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Dieses Thema hat 14 Antworten
und wurde 783 mal aufgerufen
 Gebäudebau
Günni Offline




Beiträge: 533

04.11.2021 13:08
Bretter altern Antworten

Moin Leute

Da ich mal für ein kleines Betriebsdiorama ein schon ziemlich in die Jahre gekommenes Brettergebäude gebaut habe, dachte ich mir, es wäre eigentlich eine gute Idee, mal zu zeigen, wie ich die nötigen Bretter alt aussehen lasse. Zum Altern von Holz gibt es ja die unterschiedlichsten Methoden und die meisten haben da so ihre eigenen Vorlieben. Hier stelle ich mal meine Methode vor, vielleicht kann der eine oder andere was damit anfangen.
Was brauchen wir? Klar, zuerst natürlich mal Holz. Welches hängt davon ab, was man bauen will. Zur Demonstration habe ich hier Kafferührstäbchen aus der Fastfood-Branche verwendet, die haben in Baugröße 0 gerade die richtige Größe und sind auch meine Lieblingsbretter. Im Prinzip ist es aber egal, was man nimmt. Dann Holzbeize; gut geeignet ist Eiche hell oder mittel, die hat einen schönen neutralbraunen Farbton. Für die Holzmaserung benötigt man eine Reißnadel oder etwas Ähnliches. Ich selbst nehme ein altes Grafikermesser mit einer stabilen Nadel an einem Ende. Zum eigentlichen Altern haben sich bei mir Pastellkreiden aus dem Künstlerbedarf bewährt. Grau, Braun, Dunkelgrün, Dunkelgrau und Weiß sind für Holz die wichtigsten. Auch zum „dreckig machen“ von anderen Modellbauten ist Pastellkreide übrigens sehr gut geeignet, aber das ist im Moment nicht unser Thema. Schließlich braucht man noch einen festen Borstenpinsel, evtl. Weißleim und Pappe oder Ähnliches für das eigentliche Gebäude.



Man beginnt zweckmäßigerweise mit der Holzmaserung. Dazu ritzt man mit der Nadel kräftig Furchen in Längsrichtung in die Bretter, da dürfen ruhig ein bißchen die Fetzen fliegen, je unregelmäßiger umso besser. Einfach mit der Drahtbürste drübergehen reicht nicht, das quillt beim Beizen wieder zu und die Maserung ist weg. Wenn es endlich so aussieht als wäre alles total versaut, ist es genau richtig. Eventuell rausstehende Splitterchen kann man wieder etwas abschleifen.



Jetzt kommt die Beize zum Einsatz. Nicht von vornherein zu dunkle Beize nehmen, die kriegt man dann nicht wieder heller. Eiche hell ist am besten geeignet, wenn's nicht dunkel genug ist, lieber mehrmals beizen bis der gewünschte Farbton erreicht ist. Man sollte sowieso einzelne Bretter verschieden hell beizen, das wirkt später realistischer.



Sind die Bretter getrocknet, wird’s ein bißchen dreckig. Mit weißer Pastellkreide streicht man locker über die Bretter. Dann wird der Kreidestaub mit einem härteren Borstenpinsel ins Holz eingearbeitet bis eine verblichene Oberfläche erreicht ist und keine weißen Krümel mehr zu sehen sind. Man kann das auch mit den Fingern verreiben, geht wunderbar, ist aber natürlich noch dreckiger (und die Kleidung dann hinterher meistens auch).





Soweit erst mal die Bretterfläche. Da sich später in den Bretterfugen Dreck sammelt, sollte man den jetzt anbringen. Dazu nimmt man dunkelgraue Kreide und streicht über die Kanten. Es geht auch mit einem schwarzen oder zumindest dunklen Buntstift. Bleistift sollte man allerdings nicht nehmen, der ist zu hellgrau und glänzt ziemlich stark. Auch die Randverschmutzung wird wieder mit Pinsel oder Finger eingearbeitet. Unsere Bretter sind fertig zum Einbau.



Das zu verbretternde Gebäude hat man ja meistens schon fertig (oder baut es spätestens jetzt). Die Flächen unter den Brettern sollte man auf jeden Fall dunkel streichen (dunkelbraun oder schwarz) sonst kann es passieren, daß es später hell durch die Bretterfugen schimmert und die Illusion zerstört. Die Bretter sollte man auch nicht press aneinander setzen sonst wirkt es wie eine glatte Fläche.



Ein winziger Abstand ergibt den Eindruck von einzelnen Brettern. Die Fuge darf auch ruhig etwas unregelmäßig breit sein, das wirkt realistischer. Auch krumme Bretter sind durchaus geeignet. Wir sind ja hier nicht bei der Autoindustrie und brauchen auch keine Spaltmaße einzuhalten. Nachdem alles aufgeklebt ist und die Ränder beigeschnitten sind, ist unsere Bretterwand fertig.



Jetzt kann man das „Alter“ und den Realismus noch etwas weiter erhöhen. Bretter gammeln gern im unteren Bereich. Also nehmen wir unsere dunkle Pastellkreide und streichen damit die Bretter unten unregelmäßig hoch ein. Auch etwas Dunkelgrün darf dabei sein. Alles wird wieder mit dem Borstenpinsel eingearbeitet. Auch unter Vorsprüngen wie z.B. Fensterbrettern oder Dachüberständen ist es oft etwas feucht und somit dunkler. Auf der gesamten Fläche kann man auf einzelnen Brettern noch hier und da braune, graue, sogar weiße Stellen anbringen, so ganz zufällig. Alles wieder gut einarbeiten und die Wand bekommt Leben.



Die Alterungsmethode eignet sich natürlich nicht nur für Bretterwände. Auch Zäune lassen sich damit herstellen, dann muss man aber die Maserung auf beiden Seiten einritzen und das Schwärzen der Kanten weglassen. Auch größere Holzbalken oder Holzbordwände von LKWs oder Güterwagen kann man mit der Methode traktieren.

Hier mal das Ergebnis in praktischer Anwendung.



Noch was zum Schluss: die Sache mit der Maserung ist eigentlich nur was für Baugrößen ab 0 aufwärts. Bei H0 und darunter wird das wahrscheinlich zu grob. Da sollte man's wohl besser weglassen. Die Alterung mit Beize und Kreide kann man aber natürlich auch hier anwenden.


Günni

Je schmaler die Spur umso größer der Spaß


Kaiserstühler Offline




Beiträge: 7

05.11.2021 14:08
#2 RE: Bretter altern Antworten

Hallo Günni,

die Methode wende ich auch an.Noch nicht in solcher Vollendung wie bei Dir, aber es wird.

Modellbau ist nicht ins Regal greifen, auspacken und fahren!Und Nietenzähler bitte weitergehen, bei mir ist alles geklebt😉

Angefügte Bilder:
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Kaiserstühler Offline




Beiträge: 7

05.11.2021 14:40
#3 RE: Bretter altern Antworten

Nachtrag, bei dem gezeigten Wagen handelt es sich übrigens um einen Geisterwagen,der als Fahrhilfe für einen nicht ganz scale gehaltenen Strüver Schienenkuli fungiert.

Modellbau ist nicht ins Regal greifen, auspacken und fahren!Und Nietenzähler bitte weitergehen, bei mir ist alles geklebt😉


Günni Offline




Beiträge: 533

05.11.2021 16:38
#4 RE: Bretter altern Antworten

Ich hatte es oben schon erwähnt, man darf am Anfang die Beize nicht zu dunkel nehmen (lieber mehrmals beizen, wenn's zu hell ist). Altes Holz ist viel heller, als man glaubt. Beize in Eiche hell ist da 'ne gute Ausgangsbasis, die hat 'nen relativ neutralen Braunton. Beizen mit rötlicheren Brauntönen wirken, auch gealtert, nicht so realistisch. Mir war mal die Eiche ausgegangen und ich hab's mit Teak (hatte ich noch) versucht. Hab die Bretter dann als Rührstäbchen verwendet und bin doch neue Beize holen gegangen .
Und man sollte versuchen, unterschiedlich helle Bretter zu bekommen. Wenn dann die Bretter nach dem eigentlichen Altern eingebaut sind, sollte man der fertigen Fläche mit weiterer Kreide- und Pinselbehandlung Unregelmäßigkeit und Leben geben. An Stellen, wo sich Dreck oder Feuchtigkeit sammelt, etwas dunkler. Mitten auf der Fläche, wo's eher von der Sonne ausbleicht, etwas heller. Kurz überm Boden grün als Moos- und Algenbewuchs.
Bei Ladeflächen von Fahrzeugen kann man sich dann auch noch an den Hinterlassenschaften der diversen Ladgüter auslassen. Staub, Farbflecken, Öl und Fett, was auch immer. Sowas mache ich gern mit einem alten Schulmalkasten. Da kann man sich praktisch jede Farbe zusammenmischen.

So, das noch mal zur Ergänzung.

Günni


Ach ja, kriegen wir den Schienenkuli auch mal zu sehen?

Je schmaler die Spur umso größer der Spaß


Kaiserstühler Offline




Beiträge: 7

05.11.2021 18:26
#5 RE: Bretter altern Antworten

Gerne zeige ich auch noch ein Bildchen vom Kuli, weise aber direkt darauf hin, dass er nicht Scale ist.Er ist gegenüber seines Vorbildes zu gross geraten.Macht mir aber trotzdem auf der Anlage und in der Vitrine Spass.Für die Umsetzung sind neben einen Knopfes einer Jeans auch ein Teil aus der Legokiste, auf die Schiene gelangt.

Modellbau ist nicht ins Regal greifen, auspacken und fahren!Und Nietenzähler bitte weitergehen, bei mir ist alles geklebt😉

Angefügte Bilder:
89035313-4689-4302-BF92-4E6C7867A2AF.jpeg   AF19E7BC-ECF3-4259-9F8F-854D4A8286EC.jpeg   BA3769CF-E7B1-4AAC-9445-A83F062A3C98.jpeg  

Günni Offline




Beiträge: 533

06.11.2021 15:13
#6 RE: Bretter altern Antworten

Sieht doch gut aus. Kleiner Tip: wenn Du das Kühlergitter etwas niedriger machst (so bis Oberkante Motor) fällt die Übergröße überhaut nicht mehr auf.
Aber wie gesagt, sieht ansonsten prima aus.

Günni

Je schmaler die Spur umso größer der Spaß


rofra Offline




Beiträge: 1.206

06.11.2021 18:18
#7 RE: Bretter altern Antworten

Ich würds auch blos auf den Kühler schieben. Ansonsten sind die teile immer recht dankbare Vorbilder, weil eigentlich alles ging/geht/gehen wird. Generell würde ich hier gerade von den Gebäuden mehr sehen wollen.

~ from prussia with love ~


Frank-Martin Online




Beiträge: 218

06.11.2021 22:40
#8 RE: Bretter altern Antworten

Hallo zusammen,

vor einiger Zeit habe ich einen kleinen Holz-Schuppen gebaut, bei dem Rührstäbchen zur Anwendung kamen.
nun sind diese Stäbchen leider sehr glatt poliert - was tun ...

Ich habe mit Wasserbeizen getestet, inwieweit das Holz der Stäbchen anweicht und diese dann mit einer feinen Drahtbürste in Faserrichtung bearbeitet.
Da Ergebnis sehr Ihr hier :



Das sollte eigentlich das Tor für den Schuppen werden, aber da ich mich vermessen hatte, wurde dann doch ein anderes Tor eingebaut.
Hier habe ich nur mit Farben gealtert :



Der fertige Schuppen sieht nun so aus :




Grüße aus Leese

Frank-Martin


Armin-Hagen Berberich Offline




Beiträge: 434

07.11.2021 10:00
#9 RE: Bretter altern Antworten

Hallo Frank-Martin,

dein Tor finde ich klasse. Insbesondere die Blechverwahrung über der Regenleiste ist ein besonderes Detail.

eine Frage und eine klitze kleine Anregung:
- wie hast Du die grüne Farbe aufgebracht? Revell mit fast trockenem Borstenpinsel?
- bei den Türbändern würde ich noch kleine Niete oder 0,5er Drahtstummel mit gerundetem Kopf einsetzen

Grüße naus VAI
Armin.


Frank-Martin Online




Beiträge: 218

07.11.2021 10:34
#10 RE: Bretter altern Antworten

Hallo Armin,

mit den Türbändern hast Du recht, es fehlen die Befestigungs-Schrauben oder -Niete. Das habe ich damals versäumt und lässt sich nun schwer nachholen, wegen der Rostfarbe. Ob ich das wieder genauso schön rostig hinbekomme steht in den Sternen ...

Wegen dem Farbauftrag auf den Toren musste ich erstmal in meinem Faden im Nachbar-Forum suchen, leider habe ich das damals nicht aufgeschrieben, nur dass ich Acryl-Farben aus der Tube verwendet habe.
Vermutlich habe ich diese mit einem Borstenpinsel aufgetragen, um auch in die gebürsteten Vertiefungen zu kommen und anschließend mit der feinen Drahtbürste bearbeitet.

Der Rost auf den Bändern ist auch nur aus diesen Acrylfarben entstanden und das Blech über der Regenleiste ist "Dachblei" von einer Weinflasche mit einer Dicke von 0,1mm.

Hier der Link zu dem Faden im SNM-Forum, wo ich den Bau des kleinen Schuppen beschreibe :

https://forum.spurnull-magazin.de/thread...steht/?pageNo=1

Wenn Interesse besteht und Ludwig einverstanden ist, könnte ich die Bauanleitung auch hierher kopieren.


Grüße aus Leese

Frank-Martin


Chief Online




Beiträge: 278

07.11.2021 10:47
#11 RE: Bretter altern Antworten

Moin Frank-Martin,
Alles was uns vorwärts bringt ist genehm und Dein Baubericht aus dem SNM-Forum ist doch Klasse, also frag nicht, sondern mach.

Bis denne und PX Ludwig


Hespertalbahn Offline




Beiträge: 212

07.11.2021 10:48
#12 RE: Bretter altern Antworten

Hallo miteinander !

Zitat von Frank-Martin im Beitrag #10
Hallo Armin,

mit den Türbändern hast Du recht, es fehlen die Befestigungs-Schrauben oder -Niete. Das habe ich damals versäumt und lässt sich nun schwer nachholen, wegen der Rostfarbe. Ob ich das wieder genauso schön rostig hinbekomme steht in den Sternen ...
...



Sag' doch einfach:
"Es sind Senkkopfschrauben..."

Gruß
Dirk


rofra Offline




Beiträge: 1.206

07.11.2021 11:32
#13 RE: Bretter altern Antworten

Das Tor ist mir auch sofort aufgefallen. Zu den Beschlägen würde ich ergänzen: "Lieber weglassen, als zu groß" Hier vergreift man sich gerne mal. Die Alterung macht das allemal wett.

~ from prussia with love ~


Günni Offline




Beiträge: 533

07.11.2021 19:10
#14 RE: Bretter altern Antworten

Für so abgewetzte / verschossene Farbe hat mir Marcel Ackle mal einen Tip gegeben: zuerst die Bretter mit der Farbe behandeln, die nachher untendrunter rausgucken soll. Gut trocknen lassen, dann mit der späteren Deckfarbe streichen. Bevor die ganz trocken ist, ein Stück Tesakrepp draufkleben und abreißen. Das nimmt etwas von der Deckfarbe mit. Diesen Vorgang so lange wiederholen bis der gewünschte Effekt erreicht ist. Ich hab's bislang nur mal kurz an einem Probehölzchen ausprobiert, funktioniert aber sehr gut. Vor allem kann man die Intensität des Effekts gut kontrollieren.
Wenn Marcel hier schon wieder dabei ist, kann er's vielleicht noch mal genauer erklären.

Was die Nieten in den Türbändern angeht, da kann man doch einfach noch ein paar Löcher reinbohren und dünne (0,3 mm) Drahtstückchen reinkleben. Die müssen noch nicht mal abgerundet sein, das sieht man bei der Größe sowieso nicht. Rost altere ich gern mit Pastellkreide. Von einem Kreidestift mit einem scharfen Messer feines Pulver abgeschabt, auf die Roststelle ein kleiner Tupfer farblosen Mattlack und darauf das Pulver großzügig mit einem weichen Pinsel draufpudern. Den Überschuss wegblasen und mit noch etwas Pulver trocken die Übergänge beiarbeiten. Wenn die Schrauben trotzdem zu rostig werden, ist das kein Beinbruch: vorstehende Teile (wie eben Schrauben) rosten in natura sowiso etwas stärker als Flächen.

Günni

Je schmaler die Spur umso größer der Spaß


rofra Offline




Beiträge: 1.206

07.11.2021 19:47
#15 RE: Bretter altern Antworten

Zitat
Bevor die ganz trocken ist, ein Stück Tesakrepp draufkleben und abreißen.

(Dieser Schweizer hat eh ein besonderen Blick und das Händchen um es umzusetzen. Und scheint ja fast soetwas wie eine gesamte Modellbauschule ins Leben gerufen zu haben)

Für das Vorgehen liegen gerade die ersten Teststreifen oben zum Trocknen. Mal gucken wie ich mich beim Thema so anstelle... Frank-Martins Tür kommt meinen Vorstellungen (inkl. den selbstgebauten Scharnieren. Die Idee hatte ich für die Klapptüren meines "Brigadewerkstattwagens" würde es aber erstmal in Groß am Lokschuppentor ausprobieren. Um die dann aber irgendwo anzubauen, muss erstmal eine Tür her) schon recht nahe.

~ from prussia with love ~


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