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Dieses Thema hat 2 Antworten
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Max Hensel Offline




Beiträge: 8

26.12.2023 20:14
Rollbock der Wagen-Fabrik H. Fuchs in IIm Antworten

Hallo Zusammen,

ich möchte euch heute ein Projekt vorstellen, an dem ich in den letzten Monaten parallel zu meinem Gleisbau gearbeitet habe. Diesen Baubericht habe ich parallel im Buntbahnforum und im Spannwerk der IG Spur II e.V. veröffentlicht.

Prolog

Sieht man von wenigen Meterspurstrecken wie Rhein - Orschweiler - Ettenheimmünster oder Müllheim - Badenweiler ab, wurden auf nahezu allen Meterspurbahnen in Baden und Württemberg regelspurige Güterwagen mit Rollböcken und teilweise Rollwagen transportiert.

Der Klassiker unter den Rollböcken ist wohl der druckluftgebremste Rollbock der Maschinenfabrik Esslingen, wie er unter anderem auf den Bahnstrecken Aalen - Dillingen, Amstetten - Oppingen, Nagold - Altensteig und vielen weiteren zum Einsatz kam. Diesen möchte ich irgendwann einmal ins Modell umsetzen.

Bei einer Sonderveranstaltung bei der Märkischen Museumseisenbahn (MME) in Hüinghausen machte mich Wolf auf die dortige umfangreiche Sammlung verschiedener Rollböcke aufmerksam. Dabei weckten die beiden von der Wagen-Fabrik H. Fuchs in den 1920er Jahren an die OEG gelieferten Rollböcke mein besonderes Interesse:





Spontan habe ich mich für einen Nachbau entschieden, denn:
- für den Einstieg war mir eine Variante ohne Druckluftbremse lieber
- die Rollböcke kamen in Baden (OEG) in der Epoche II zum Einsatz
- es gibt erste Planungen für eine passende Lokomotive, mit der ein stilreiner OEG-Güterzug möglich wäre

Die Rollböcke sind also die ideale Ergänzung für meine im Entstehen begriffene Fahrzeugsammlung nach badischen und württembergischen Vorbildern.

Da keinerlei Werkszeichnungen überliefert sind, habe ich die Rollböcke vor Ort vermessen.


Modellumsetzung im Maßstab 1:22,5

Die Modellumsetzung geschah mit einer vergleichsweise geringen Fertigungstiefe.
Dazu habe ich meine mehrseitigen handschriftlichen Notizen in ein 3D-Modell überführt.



Auf diesem Bild sieht man beispielsweise das 3D-Modell des Rahmens mit den Achslagergehäusen. Die Wandstärke beträgt an der dünnsten Stelle 0,3 mm und bei belasteten Teilen mindestens 0,5 mm.

Über eine Fertigungsplattform habe ich dann die Einzelteile des Rollbocks aus PA12 (Nylon) im MJF-Verfahren (Multi Jet Fusion) drucken lassen. Zusammengesteckt zeigen die noch unverputzten Druckteile, wie ein fertiger Rollbock mal aussehen kann:





Die Achslager habe ich nach dem Drucken auf den Durchmesser 6H8 aufgerieben und wartungsfreie Gleitlager eingepresst. Leider ist es schwierig, vernünftige Radsätze zu finden. Neben den viel zu hohen Spurkränzen haben handelsübliche Radsätze meist eine planare bis konvexe Innenseite.

Für meine Rollböcke habe ich die Achsen aus 5 mm Rundmaterial aus 1.4301 gesägt. Die Radscheiben habe ich wiederum aus PA12 drucken lassen. Die Radreifen habe ich aus einem korrosionsbeständigem Automatenstahl (1.4305) CNC-drehen lassen.
Die Radsätze entsprechen den Standards S 01 und S 02 der IG Spur II e.V. und haben eine Spurkranzhöhe von 1,6 mm.

Für die Lagerung des Querbalkens ist mittig ein Messingrohr 4 mm in den Querbalken eingepresst. Nach dem Einsetzen des Querbalkens in den Rahmen wird von unten ein Messingrohr 3mm eingeschoben und mit einer Schraube M2 fest mit dem Rahmen verschraubt, sodass sich der Querbalken um das Messingrohr 3 mm drehen kann. Das Lager sowie die Kontaktflächen des Querbalkens mit dem Rahmen sind mit einem viskosen Mineralöl geschmiert.

Weitere Kleinteile aus Messing ergänzen den Rollbock. Die P-förmig gebogenen Blattfedern, die beim Vorbild den Arretierungshebel der Gabeln in Position halten, habe ich aus Papier nachgebildet.

Die Gabeln des Modells lassen sich über einen Messingdraht 1 mm drehen, der Arretierungshebel bleibt jedoch ohne Funktion.





Nachdem die Montage des ersten Rollbocks keine Konstruktionsfehler offenbarten und das Fahrzeug mir hinreichend stabil erschien, sind drei weitere Rollböcke entstanden, sodass es nun zwei Pärchen gibt.

Die Weihnachtsfeiertage und den Besuch in meinem Elternhaus habe ich für eine kleine Probefahrt auf der Kelleranlage von meinem Papa genutzt. Dabei sind folgende Bilder entstanden. Die Regelspurwagen gehören zur Fahrzeugsammlung nach Harzer Vorbildern von meinem Papa:







Die Probefahrten verliefen erfolgreich. Positiv sind mir in der Seitenansicht besonders die maßstäblichen Radsätze mit den niedrigeren Spurkränzen aufgefallen.

Nicht ganz abschließend geklärt ist die Frage der Farbgebung. Spätestens ab den 50er/60er Jahren waren die Rollböcke der OEG grau lackiert. Trotz Austausch mit mehreren Kleinbahnhistorikern konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden, welche Farbe die Rollböcke in den 20er Jahren hatten. Eine Werksaufnahme der Firma Fuchs impliziert aber, dass die Fahrzeuge ursprünglich mal schwarz lackiert waren.

Für mich kann ich dieses Projekt nach gut sechs Monaten erfolgreich abschließen. Jetzt fehlen noch passende Regelspurwagen sowie ein Armamputierer, damit ich die Rollböcke auch an meinen Gw der WEG kuppeln kann.

Viele Grüße

Max.


Armin-Hagen Berberich Offline




Beiträge: 421

27.12.2023 12:30
#2 RE: Rollbock der Wagen-Fabrik H. Fuchs in IIm Antworten

lieber Max,

Gratulation zu diesem perfekten und Vorbild gerechten Modellbau. ich finde es beeindruckend, mit welcher Präzision Du die technischen Details bei den Rädern, Achsen und der Lagerung umgesetzt hast. Die Rollböcke lassen uns auf noch mehr Bauberichte aus Deiner "Werkstatt" hoffen.

Grü0ße aus VAI
Armin.

Zusammenstellung von Bauberichten


Max Hensel Offline




Beiträge: 8

28.12.2023 22:54
#3 RE: Rollbock der Wagen-Fabrik H. Fuchs in IIm Antworten

Hallo Armin,

vielen Dank für die lobenden Worte. Dadurch, dass ich eigentlich nur am Rechner gebastelt habe und nur einzelne Kleinteile wirklich klassisch selber gebaut habe ist meine Leistung an den Details eher gering.

Ich werde gerne zukünftig meine weiteren Basteleien hier vorstellen. Vorrangig geht es jetzt erstmal mit der Infrastruktur weiter.

Viele Grüße

Max.


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