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Thomas Spieth Offline




Beiträge: 35

23.05.2022 16:33
Die V30 der KOK Antworten

Lieber Wolfgang, liebe Schmalspurgemeinde,

zu dem von Dir entwickelten Bausatz auf Basis von präzisen Ätzplatten stelle ich gerne meinen Beitrag hier ein, welchen ich bereits in der Arge Spur0 veröffentlicht habe. Das Antriebskonzept habe ich etwas anders gelöst, aber mehrere Wege führen nach Rom.

Zum Vorbild der V30 der KOK
Es handelt sich um eine schmalspurige Diesellokomotive. Das Vorbild ist in der Literatur nur wenig zu finden. Ihre Vorgängerin hat hingegen einen höheren Bekanntheitsgrad, da diese Maschine heute noch bei der meterspurigen Museumsbahn DEV in Bruchhausen-Vilsen beheimatet ist. Die hier angesprochene Maschine war ursprünglich meterspurig auf der Kreisbahn Emden-Pewsum-Greetsiel (EPG) zuhause. Die Maschine wurde 1957 von Jung geliefert als direkter Nachfolger der V29 geliefert. Gelernt hatte man aus dem wartungsintensiven Kettenantrieb, der durch einen Kardan ersetzt wurde. Zweck war es schwere Güterzüge zu befördern. Die Maschine verrichtete Dienst bis zur Einstellung der EPG. Danach wurde die Diesellok auf die 750 mm breite Kreisbahn Osterode Kreiensen (KOK) umgesetzt. Die erforderliche Umspurung war technisch vorgesehen und daher kein Hindernis. Die Puffer mussten aufgrund der Verwendung des dortigen Rollbocksystems etwas tiefergesetzt werden. Fortan verrichtete die Maschine als V30 Nr. 12 ihren Dienst bis sie 1966 ein Achsbruch erlitt, der nicht wirtschaftlich behoben werden konnte. Nach mehrjähriger Abstellzeit wurde die Maschine Mitte der siebziger Jahre leider zerlegt.





Zum Bausatz:
Der Bausatz wurde von Wolfgang Bayer auf der Basis von Ätzplatinen hergestellt und an Interessierte abgegeben. Ein passendes Fahrgestell wurde von Herrn Kasparek (leider verstorben) angeboten. Der Bausatz wurde von meinem Vater erworben. Nach seinem Tod hatte ich den Bausatz übernommen, aber zuerst in die Ecke gelegt. Nachdem ich die Ätzplatinen öfter angesehen hatte, um den Aufwand auszuloten entschloss ich mich einfach damit zu beginnen. Angemerkt werden muss, dass die Montage Einiges an Erfahrung im Umgang mit dem Lötverfahren erfordert. Die konstruktive Bauweise von massiven Bauteilen, wie z.B. die Motorhaube, die aus mehreren Schichten von 0,5 mm MS-Blech besteht, hat auch entscheidende Nachteile. Die Rundungen und Schrägen müssen mühsam mit der Feile und Schmirgelleinen in Form gebracht werden. Das nachträgliche Anlöten von Bauteilen macht das Arbeitsergebnis zunichte, da zwischen den Blechen Lötzinn austritt und dies eine Nacharbeit erfordert. Doch insgesamt kann aus dem Bausatz ein sehr interessantes Modell hergestellt werden, welches die Mühen absolut lohnt.
Der Reihe nach:

1. Der Antrieb
Der Antrieb ist denkbar einfach aufgebaut und besteht aus zwei 1,0 mm Seitenwangen aus MS, die mit Abstandklötzen verschraubt und auf Maß gebracht sind. Die Achsen sitzen in rechteckigen Aussparungen Die Achse selbst wird mittels Kunststoffachslagern geführt Der Radsatz ist mit kleinen Federn gelagert. Der Antrieb erfolgt über einen kleinen Faulhaber mit Schwungmasse über ein Stirnzahnrad auf eine Schneckenwelle. Diese ist in Kugellagern geführt. Die Radsätze sind speziell für diesen Antrieb aus Kunststoffguss-Radsternen mit schwarzvernickelten Radreifen hergestellt. Bei meinem Antrieb waren die Radreifen zum Teil lose. Ich führe das auf den nachträglichen Schrumpf der Radsterne zurück. Außerdem war der Sitz der Räder auf der Achse lose. Insgesamt ist die Fertigungspräzision des gesamten Antriebs eher bescheiden, was sich in den Laufeigenschaften zeigte. Die Antriebe konnten analog nur mit hoher Spannung dazu gebracht werden sprunghaft zu laufen. Die Stromabnahme war außerdem schlecht, da die Schleifer verbogen waren und nur unzuverlässig ihren Dienst verrichteten. Der gesamte Antrieb wurde zerlegt und neu aufgebaut. Um die Stabilität zu erhöhen wurde in der Mitte des Antriebs noch eine zusätzliche Verschraubung angebracht. Die Schleifer wurden aus 0,15 mm Bronzeblech neu gebogen und auf eine neue Pertinaxplatine aufgelötet. Der Motor wurde neu justiert und verklebt. Geachtet wurde auf einen hemmungsfreien Lauf der Einheit. Schwachstelle sind nach wie vor die nur provisorisch gerichteten Räder. Ziel ist es diese auszutauschen.



2. Das Gelenkprinzip
Die beiden Antriebe sind mit einer gemeinsamen MS-Platte aus 2,0 mm MS verbunden. Die Verbindung erfolgt über definierte Drehpunkte, die das Schwenken der Motorvorbauten erlauben. Die Platte ist mit MS-Hülsen und einer M2-Schraube mit definiertem Spiel gelagert, die das Gleiten der Platte erlauben. Auf der Platte befindet sich später fest verschraubt die Baugruppe Führerhaus. Kabelverbindungen verlaufen in zwei 4,0 mm breiten und 1,0 mm tiefen Ausfräsungen in der Bodenplatte. Die Funktionsweise des Gelenkprinzips ist sehr gut am Beispiel der Bilder des letzten Berichts von Wolfgang Bayer zu sehen.

3. Die Motorvorbauten
Die Seitenteile der Motorvorbauten sind prinzipiell schnell verlötet. Einzig die vordere Rundung der Vorbauten erfordert eine zweifache Aufdickung an den „Ecken“, damit später diese rundgeschliffen werden können. Nachteil ist, dass die Anschlussstellen zu sehen sind und verspachtelt werden müssen. Die Pufferbohle wird gefaltet und verlötet. Die Pufferbohle sitzt auf einem kastenförmigen Träger, der an die Motorvorbauten angepasst und verlötet wird. Die Wartungsklappen sind nachträglich aufgeklebt. Die umlaufenden Handgriffe sind aus dem Sortiment von Bauer/Weinert mit 0,7 mm Draht angebaut. Ich habe Puffergrundplatten von Weinert angelötet und „nicht durchstoßende“ Puffer von Moog verbaut. Als Normalspurkupplung habe ich ein Weinert-Bauteil verwendet. Die Motorvorbauten sind noch mit diversen Bauteilen zu ergänzen, die aus meiner Sicht im Ätzverfahren nicht oder nur unzureichend dargestellt werden können. Zum Teil habe ich diese speziell für diese Modell angefertigt, wie z. B den Mittelpuffer, Zug und Hebeösen. Andere Bauteile wie z.B. die Bremsluftkupplungen entstanden aus abgeänderten Bauteilen aus meinem Bauteilesortiment. Weitere Bauteile, welche in größerer Stückzahl notwendig waren habe ich über Urmodelle im MS-Schleudergussverfahren herstellen lassen. Dazu zählen die Luftansaughutzen, Luftfilter, Dieseleinfüllstutzen, Türgriffe, Verschlussknebel usw. Eine große Herausforderung waren die Hauben der Vorbauten. Die seitlichen Rundungen sind durch die Sandwichbauweise als „Treppe“ abgebildet die rundgeschliffen werden muss. Schlimmer noch ist die sehr geringe Neigung der vorderen Wartungsklappen. Hier ist das Verschleifen der 3 Stufen Bleche eine echte Herausforderung. Mir ist es nicht gelungen ein akzeptables Ergebnis zu erzielen, was mich dazu brachte ein 0,3 mm MS-Blech aufzulöten. Die Trennung der Klappen ist durch quer und längs verlaufende MS-Bänder bzw. ein L-Profil in der Mitte dargestellt. Schön anzusehen sind die Vergitterungen der Wartungstüren.


im Bild sind noch die alten Antriebe von Herrn Kasparek zu sehen





4. Das Führerhaus
Das Führerhaus ist aus jeweils zwei Lagen MS-Blech zusammengelötet. Im Bausatz ist kein durchgehender Boden vorgesehen. Da mein Modell eine vollständige Inneneinrichtung erhalten sollte habe ich ein 1,0 mm starkes Bodenblech eingelötet. Motorseitig sind zwei offene Aussparungen an deren Innenkanten die „Schürzen“ angelötet sind, welche die Trennkante zwischen Führerhaus und Motorvorbau überdecken. Das Dach besteht aus insgesamt drei Lagen Blech und muss ebenfalls an den Stirnseiten rundgeschliffen werden. Konstruktiv kann damit jedoch der Vorbildeindruck des tief bis über den Schirm über den Fenstern heruntergezogenen Dachs nicht erreicht werden. Deshalb entschloss ich mich das Dach stirnseitig mit einem 0,5 mm starken Blech zu verstärken. Damit konnte die Kontur besser dargestellt werden. Mein Dach ist abnehmbar gehalten, um die Inneneinrichtung zu betrachten. Die Aufstiegsleitern sind aus geätzten Tritten mit 0,7 mm starken Holmen. Die Abstandshalter sind ebenfalls geätzt, verschwanden jedoch im Metallschrott. Ergänzt habe ich diese aus dem Sortiment von Weinert.
Der größte Aufwand entstand bei der Herstellung der Inneneinrichtung. Mangels Vorbildfotos habe ich mich hier an die Inneneinrichtung der V29 gehalten, die im Netz gut dokumentiert ist. Der Führerstand mit all seinen Armaturen sowie die Fahrersitze und die Getriebevorbauten mit Schaltern usw. waren sehr arbeitsintensiv und ich möchte es nicht noch einmal machen müssen. Das Ganze steht auf einem feinen Riffelblechboden, den ich noch in der Restekiste fand. Das Dach ist mit einer Belüftungshutze zwei Signalhörnern und zwei Türschlossplatten mit Griffen aus meinem Sortiment komplettiert. Die Lok hatte jeweils drei Scheinwerfer pro Seite, die aus dem Sortiment von Henke sind.
Was noch aussteht:
- Verkabelung, Dekodereinbau
- Vorbereitung zur Lackierung, Sandstrahlen
- Decal-Herstellung, Metallschilder des Herstellers
- Alterung
- Lackfinish














5. Lackierung, Beschriftung und Alterung
Lackiert wurde das Orange mit Elita-Farben. Die Beschilderung habe ich bei Beckert-Modellbau http://www.beckert-modellbau.de/html/atzschilder.html fertigen lassen, die Schiebebilder sind am OKI-Drucker selbst gemacht. Gealtert wurde nur ganz dezent im Fahrwerksbereich mit der Spritzpistole.

Thomas Spieth


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