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Dieses Thema hat 20 Antworten
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Seiten 1 | 2
Günni Offline




Beiträge: 479

04.07.2022 20:32
Squarefoot Mine Antworten

So, Leute.
Setzt Euch mal hin, seid ruhig und zappelt nicht rum. Onkel Günni erzählt Euch 'ne Geschichte.

Im Jahre 1902 gründeten fünf Geschäftsleute die „Minnesota Mining & Manufacturing Company" in Two Harbors am Lake Superior, Minnesota, USA. Ziel war es, Mineralvorkommen zur Herstellung von Schleifpapier auszubeuten. Nach großen Anfangsschwierigkeiten stellte sich für die 1910 nach St. Paul übergesiedelte Fima 3M ab etwa 1920 der Erfolg ein und sie entwickelte sich weiter zum heutigen Weltkonzern.

Der 1887 geborene Charles Williams arbeitete als Vorabeiter in der kleinsten der Korundminen. 1925 hatte die Schleifpapierproduktion von 3M stark zugenommen. Die Mine war zwar nicht erschöpft, besaß aber aufgrund ihrer geringen Größe nicht mehr die benötigte Förderkapazität. Also wurde beschlossen, sie aufzugeben.
Charles Williams sah hier seine Chance. Es gab einige kleine Schleifpapierhersteller, die Bedarf an Korund hatten, von der Firma 3M aber nicht beliefert wurden, da diese ihre geförderten Mineralien für die eigene Produktion benötigte. Also sprach Williams bei der Geschäftsleitung vor und bot an, die Mine zu übernehmen. Da 3M keine Verwendung mehr dafür hatte, willigte man ein und Williams konnte sie zum symbolischen Preis von 50 $ erwerben.

Er verließ 3M, warb die benötigten Mitarbeiter an und schaffte es, mit einigen der kleineren Schleifpapierhersteller langfristige Lieferverträge abzuschließen. Schon zu 3M Zeiten hatten die Bergleute gewitzelt, wegen der geringen Größe sei in der Mine für jeden nur ein Quadratfuß Platz. Williams, der viel Sinn für Humor hatte, griff das auf und nannte sein Unternehmen „Squarefoot Mine“. Die Geschäfte ließen sich gut an und er brachte es zu bescheidenem Wohlstand.

Nach seinem Tod führten sein Sohn und nach diesem sein Enkel die Mine weiter. Im Jahr 1962 bot sich die Gelegenheit, von einer aufgegebenen Eisenerzmine eine Elektrolokomotive samt Loren und zugehöriger elektrischer Ausstattung günstig zu übernehmen. Dadurch wurde die Produktivität der bis dahin mit Maultieren und Handverschub betriebenen Mine deutlich gesteigert.

Heutiger Inhaber ist der Urenkel des Firmengründers, James Williams, wegen seiner stattlichen Größe auch „Big Jim“ genannt. Die Mine besitzt noch immer genügend abbauwürdige Mineralvorkommen, für die auch weiterhin Abnehmer vorhanden sind. In einem der Stollen werden gelegentlich sogar Saphire gefunden. Diese sind eine, meist blaue, Variante von Korund und bilden einen willkommenen Zugewinn.

Die weitere Zukunft des Unternehmens ist somit gesichert.


Zur Info: Die Entwicklung der Firma 3M, wie im ersten Absatz dargestellt, ist Realität, Charles Williams und seine Squarefoot Mine sind dagegen reine Fiktion.



Soweit die theoretische Vorgeschichte. Gebaut habe ich das Ganze, weil ich mal 'ne kleine Anlage haben wollte, die ich einfach schnappen und irgendwo mit hin nehmen konnte. Der Name ist Programm: die Grundfläche ist ca. 30 x 30 cm groß, also ein Quadratfuß.

Den Bau der Fahrzeuge habe ich ja schon hier beschrieben, das zentrale Gebäude hier.


Hier zuerst ein Bild zum Größenvergleich




Und jetzt mal die Anlage komplett




Von schräg oben



und direkt von oben




Der Zug kommt gerade aus dem Stollen



Das Bürogebäude und die Verladung



Nochmal die Verladung von unten



Big Jim kontrolliert den Ablauf



Jemand aus dem Büro gönnt sich 'ne Kaffeepause



Vor dem Gebäude hat sich im Laufe der Zeit Einiges an Schrott angesammelt



Auch ein paar leere Ölbüchsen und -kanister



Wir wollen jetzt nicht wissen, woher die das Fass mal bekommen haben und was da rauskleckert



Rechts steht noch ein Sprittank



Eigentlich steht der der nur zur Dekoration da, damit der Felsrücksprung nicht so schluchtartig aussieht.


Der Stollenausgang



Nochmal etwas näher, mit Warnschild



Übriggebliebene Maschinerie. "Stell erst mal da hin, wir sehen die nächsten Tage, wo wir das Ding lassen". Das war vor 15 Jahren.



Der Blick zur Schütte. Der LKW hat übrigens ein Nummernschild aus Minnesota.



Die Schütte noch mal einzeln, der LKW ist irgendwann mal beim Zurücksetzen gegen das Schild gedengelt



Auch hier gibt's noch ein bisschen Müll



Da in Amerika ja fast überall Rauchen verboten ist, nutzt der Fahrer die Gelegenheit, sich hier in freier Natur Eine anzuzünden



Wie man sieht, hat man das Gleis ein bisschen nah an den Abhang gelegt, so dass der Fahrdrahtmast nur über eine Stahlkonsole zu befestigen war. (OK, in Wahrheit hatte ich's nur falsch geplant)


Auf der Anlage tummeln sich drei Schlangen, hier eine Milksnake, zu deutsch Strumpfbandnatter



Des Weiteren eine Western Foxsnake



und schließlich noch eine Klapperschlange. Die aber oben auf dem Felsen, damit sie keinem gefährlich werden kann. Die andern beiden sind ungiftig und für Menschen harmlos



Man mag's kaum glauben aber es gibt tatsächlich 'ne Internetseite "Snakes of Minnesota". Da hab ich mir die Schlangen und ihre Färbungen rausgesucht.


Natürlich hat die Anlage auch eine Rückseite. Von hier wird die Lore von Hand beladen. Ich habe mir im Internet ein Bild von einer Felswand gesucht, das einigemaßen zu meinen Felsen passt, ausgedruckt und aufgeklebt, damit's auch von hinten ein bisschen nett aussieht. Die Besucher sehen das allerdings normalerweise nicht.



Unten rechts ist die Stromanschlusskonsole. Die rechte Buchse ist die Stromzufuhr (einmal Fahrstrom, einmal Strom für die Lok- und Gebäudebeleuchtung) Beim Beitrag über den Bau der Lok habe ich ja schon mal erkärt, wie ich das geregelt habe, dass die Lok beim Reinfahren in den Stollen das Licht ein- und beim Rausfahren wieder ausschaltet. dafür brauche ich eben die separate Stromversorgung.
Die linke Buchse ist der Anschluss für den Fahrregler (einfacher Fremo Analogregler). Die Schalter sind für das Lok- und Gebäudelicht.
Das goldene Ding links ist der Handgriff zur Betätigung des Entlademechanismus. Beim Rausziehen fährt vorn ein Pin hoch und kippt die Lore. Gleichzeitig dreht sich der Arbeiter.

Im Inneren des Bergwerks gibt es eine Stromschiene statt eines Fahrdrahtes. Der offizielle Grund: ein Fahrdraht wäre im rauhen Betrieb zu empfindlich und könnte zu leicht beschädigt werden. Der wahre Grund: mir ist schlichtweg der Messingdraht ausgegangen, ich wollte aber weitermachen. Und da sich im Grabbelmüll noch'n Stück Code 40 Schiene fand ...


Natürlich liegt auch hier irgendwelcher Kram rum



Links ein Karton mit Dynamitstangen. Irgendwer hat auch welche verstreut. Rechts vorne ein Pressluftbohrer zum Bohren der Sprenglöcher. Der hat übrigens sein Leben mal als Ventileinsatz vom Autoreifen begonnen. Hatte halt die passende Form und Größe.

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Günni

Je schmaler die Spur umso größer der Spaß


Klaus-Dieter Kaufmann Offline




Beiträge: 98

04.07.2022 21:08
#2 RE: Squarefoot Mine Antworten

Onkel Günni,

wie geht's weiter?

Gruß
Klaus

Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber die zweite Maus bekommt den Käse!


Günni Offline




Beiträge: 479

04.07.2022 22:13
#3 RE: Squarefoot Mine Antworten

Ja, ich weiß, Ihr wollt ja auch wissen, wie ich's gebaut habe.

Das kommt in den nächsten Beiträgen. Für heute hatte ich keine Lust mehr .

Aber Ihr habt ja schon mal was zum Angucken.


PS: falls jemand das noch nicht vollständig gesehen hat, ich habe mehrmals zwischendrin editiert, weil ich Trottel etliche Schreibfehler reingebastelt hatte.

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Günni

Je schmaler die Spur umso größer der Spaß


Gronauer Offline



Beiträge: 361

04.07.2022 22:40
#4 RE: Squarefoot Mine Antworten

Nööööööö!

Diese "Viecher ohne Beine"auf der Anlage mag ich ja nun überhaupt nicht.
Schlangen mochte ich noch nie, egal ob giftig oder harmlos.
Kannste nicht für Leute wie mich statt dessen ein paar Eichhörnchen, Erdmännchen oder Murmeltiere plazieren?

Gruß
gronauer


Schmalspur-Fan Offline




Beiträge: 251

05.07.2022 10:15
#5 RE: Squarefoot Mine Antworten

Hallo Günni,

danke für deine Bilder. Ist mal wieder super geworden. Glückwunsch!

Viele Grüße Bernd

www.modellbauwerkstatt-halle.de


rofra Offline




Beiträge: 1.162

05.07.2022 10:34
#6 RE: Squarefoot Mine Antworten

Zitat
Kannste nicht für Leute wie mich statt dessen ein paar Eichhörnchen, Erdmännchen oder Murmeltiere plazieren



Die wechselwarmen Wesen ohne Beine, nutzen doch auch nur die beste aller Möglichkeiten hier - nicht nur - Sonnenstrahlen zu tanken. Natur muss einem nicht gefallen, aber sie ist halt so ;)

Deswegen erfreue ich mich lieber an der abgebildeten Technik. Die Oberleitungsmasten z. B., die beißen nicht und schlängeln nicht. Sie stehen einfach nur da und sorgen für etwas Spannung im Alltag.

~ from prussia with love ~

der franke, der robert


Günni Offline




Beiträge: 479

05.07.2022 15:07
#7 RE: Squarefoot Mine Antworten

Auch wenn Ihr serpentophob seid, Schlangen sind halt supereinfach zu basteln. Stück Kupferdraht, Schwanz spitz zulaufend gefeilt, Kopf einmal umgekantet, Lötzinntropfen drauf, zurechtgefeilt, zurechtgebogen, angemalt, fertig. Dauert keine 10 Minuten.

Aber ich hab ja auch noch 'n anderes Tier drauf, einen Weißkopfseeadler.



Rechts auf dem Zaun sitzt er. Allerdings sieht er ziemlich daneben aus. Deswegen hatte ich das Bild auch nicht veröffentlicht.
Der ist ca. 15 mm hoch und meine erste Arbeit mit Fimo. Da muss ich erst noch mal ordentlich üben, bis ich den und anderes Viehzeug halbwegs glaubhaft hinkriege.

Übrigens: Erdmännchen wird's mit Sicherheit nicht geben, die sind nämlich in Afrika (Kalahari) zu Hause. Ihre amerikanischen Kollegen heißen Präriehunde aber die gibt's wiederum nicht in Minnesota.
Mal gucken, irgendwas werde ich mir noch einfallen lassen. Wenn's was gibt, werdet Ihr's erfahren.

_________________________________

Günni

Je schmaler die Spur umso größer der Spaß


Frank Kelle Offline




Beiträge: 85

05.07.2022 17:34
#8 RE: Squarefoot Mine Antworten

Auf jeden Fall GLÜCKWUNSCH Günni, das sind ja regelrechte Wimmelbilder.. Irgendwas neues sieht man mit jedem neuen Betrachten.


Hespertalbahn Offline




Beiträge: 206

05.07.2022 21:29
#9 RE: Squarefoot Mine Antworten

Hallo miteinander !

Zitat von Günni im Beitrag #7
...
Aber ich hab ja auch noch 'n anderes Tier drauf, einen Weißkopfseeadler.



Rechts auf dem Zaun sitzt er. Allerdings sieht er ziemlich daneben aus.
...


Vielleicht hat er eine anstrengende Woche gehabt...

Gruß
Dirk


Günni Offline




Beiträge: 479

05.07.2022 22:04
#10 RE: Squarefoot Mine Antworten

Mal kurz ein paar Infos zur Entstehung der Anlage.


Vor gut 5 Jahren, als ich mit den ersten Grundteilen der Anlage angefangen hatte, war das Ganze noch wesentlich simpler geplant. Einfach nur 'n bisschen Berg im Hintergrund, ein - zwei Bäume, 'n bisschen Grünzeug und ein kleiner Schuppen in der Mitte, fertig. Nur mal eben was, um ein paar Fahrzeuge vorzuführen aber eben kein Pizza Layout. Ein simples Ding auf die Schnelle ohne großen Anspruch.

So sah die erste Idee mit einem Dummy-Häuschen in der Mitte aus






Dann wurde der Krebs meiner Frau schlimmer, ich habe mich um sie gekümmert und der Modellbau stand erst mal ganz weit hinten auf meiner Interessenliste. Der Rohbau wanderte auf's obere Regalbrett und begann, friedlich vor sich hin zu verstauben. Etwa drei Jahre später, nach ihrem Tod habe ich erstmal 'ne Weile gebraucht um langsam wieder in die Modellbaurealität zurückzufinden (39 Jahre gemeinsames Leben steckt man nicht einfach mal so weg). 2021 habe ich das fast vergessene Ding wieder vorgekramt und die dicke Staubschicht weggepustet (hust).

Nachdem ich mittlerweile das heutige Minenbürogebäude gebastelt hatte, sind meine Ansprüche an die Gestaltung dann doch etwas größer geworden und ich wollte nun doch eine "richtige" Anlage draus machen.
In der Landschaft wurde Platz für das neue Gebäude geschaffen und die Entscheidung für eine elektrische Bahn getroffen (aus Gründen der Lokbeleuchtung, siehe dortige Beschreibung).

Erst mal Platz machen



Dann treiben wir etwas Geologie



Und schließlich wird das neue Gebäude eingepasst




Das neue Ziel war, das Ganze als Testgelände für den Landschaftsbau zu benutzen, denn die Landschaft auf der Gyntrolith Grube (ca. 10 Jahre älter) war mir damals doch etwas klumpig geraten und die Details lassen dort auch deutlich zu wünschen übrig. Da musste mehr drin sein.
Da ich aus dem Nachlass eines verstorbenen Modellbaufreundes auch zu genügend Grünzeugmaterial gekommen war, habe ich losgelegt. Der Rohbau war zwar fertig aber die restliche Ausgestaltung hat dann doch noch mal fast ein Jahr gedauert.
Ich gucke ja beim Basteln nicht auf die Uhr, habe aber trotzdem interessehalber nachträglich mal die Bauzeit überschlagen. Es müssen so etwa 800 Stunden sein, eher noch ein paar mehr. Einschließlich der Fahrzeuge, wobei ich die Lok eineinhalb mal gebaut habe, weil ich mittendrin die Konstruktion geändert habe.

Was die Bezeichnung Wimmelbilder angeht, ja, stimmt! (ich hab zwar keine Kinder, kenne diese Büchlein aber und bin ziemlich fasziniert davon).
Ich habe einfach meiner Fantasie bei der Ausstattung freien Lauf gelassen. Und mir wird sicher noch die eine oder andere Idee kommen und auf der Anlage landen.



So, jetzt habe ich hier noch ein paar Bilder die ich vergessen hatte.

Ich habe ja ein paarmal erwähnt, dass die Lok beim Rauskommen aus dem Stollen das Licht ausmacht und beim Reinfahren wieder an.

Hier die Stelle, wo das stattfindet. Noch ist das Licht an



Und nur einen Millimeter weiter ist sie über die Trennstelle in der Oberleitung (die das Licht versorgt) weg und es wir dunkel




Ich kann auch Strom auf die äußere Oberleitung schalten, damit ich auch draußen (z.B. im Dunkeln) Licht habe.
Das Gebäude hat natürlich auch eine Beleuchtung und nachts sieht's dann so aus



(Nur Weihnachten ist romantischer )


Die Entladung ist wieder meine bewährte Technik wie bei der Gynthrolith Grube. Ein Zugmechanismus der über eine Umlenkung einen Pin hochschiebt und die Lorenmulde kippt, nur diesmal habe ich alles etwas stabiler auf einem Sperrholzbrettchen aufgebaut.

Das Ganze mal von unten gesehen



Rechts der Mechanismus. Das kupferfarbene ist ein Schieber aus Pertinaxplatte der sich in einer Führung aus Kunststoffstücken bewegt. Daran ist eine Stange (die nach unten laufende) angeschlossen, die nach draußen führt und auf der dort der Bedienungsknopf sitzt. Eine weitere Stange (die nach oben laufende) betätigt dort eine Dreiecksumlenkung und diese wiederum den Pin, der nach oben zur Lore führt. Auf halben Wege zweigt eine dritte Stange ab, diese bewegt oben einen Hebel, der die Figur dreht. Alles ist mit kleinen Verschraubungen verbunden (halbierte Klemmverbinder aus Lüsterklemmen) um die Verstellwege einstellen zu können.
Das Schwarze mit den Anschlussklemmen unten im Bild ist übrigens die Rückseite der Anschlusskonsole.

Das Drehen des Arbeiters sieht von oben folgendermaßen aus:

Zuerst die Grundstellung



Beim Ziehen der Hebelmechanik wird die Figur gedreht und es sieht von vorne so aus, als ob der Arbeiter die Lore mit der Stange kippt.



Das rechte Bein der Figur ist beweglich und unten mit einem Drahtstückchen in einem Loch geführt. Dadurch sieht es so aus, als ob die Figur auf den Beinen stehenbleibt und nur den oberen Bereich dreht.
Details der Figur zeige ich später bei der Beschreibung vom Bau der Anlage.



So, das war's erst mal für heute. In den nächsten Beiträgen zeige ich Euch dann, wie ich alles gebaut habe.

_________________________________

Günni

Je schmaler die Spur umso größer der Spaß


Schmalspur-Fan Offline




Beiträge: 251

06.07.2022 14:37
#11 RE: Squarefoot Mine Antworten

Super Günni, danke fürs zeigen. Einfach herrlich dabei zuzusehen....

Viele Grüße Bernd

www.modellbauwerkstatt-halle.de


Lines Offline



Beiträge: 21

06.07.2022 17:55
#12 RE: Squarefoot Mine Antworten

Moin Günni, einmalig realistisch gebaut,
ich könnte jetzt sofort so etwas wieder versuchen zu bauen, trotz Umstieg auf H0...
Gruß Dieter

Ich baue oder habe gebaut in H0, H0e, 0n30, 1:13, jetzt nur noch H0 digital.


Günni Offline




Beiträge: 479

06.07.2022 21:41
#13 RE: Squarefoot Mine Antworten

So, dann gibt's jetzt ein paar Details zum Bau.

Zuerst die Landschaft.

Alles fing ganz unspektakulär mit 'ner Styrodurplatte und einem Stück Sperrholz an.



Die Platte ist schon grob zugeschnitten und hat auch schon den Ausschnitt für die spätere Entladung.


Mal was zum Styrodur. Es gibt die normalen Styrodurplatten und sogenannte Perimeterdämmung.
Wer aus dem Bauwesen kommt, weiß wovon ich spreche. Für alle Anderen:

Das ist auch Styrodur, jedoch mit einer größeren Festigkeit. Das wird bei Gebäuden zur Dämmung im Anschluß vom Keller zum Erdreich eingesetzt und zwar umlaufend. Daher Perimeterdämmung (Perimeter = Umfang). Da das stabil gegen drückendes Wasser sein muss, ist es deutlich fester als normales Styrodur (es gibt, glaub ich, drei Festigkeitsstufen). Dadurch ist es auch feinkörniger, lässt sich besser zuschneiden, krümelt fast gar nicht und ist formstabiler. Je fester umso besser. Das lässt sich auch mit Sandpapier gut schleifen. Beim nächsten Styrodurkauf einfach mal im Baumarkt nachfragen. Das gelbe Zeugs auf dem Foto ist sowas.
[Ende Bauwesenbelehrung]

Für das Gleis gab's erst mal wieder 'ne Planung am Computer



Rechts ist der 1:1 Gleisverlauf zum Ausdrucken, Aufkleben und Nachbauen.

Das Gleis ist wie üblich auf Pertinaxstücke aufgelötet. Radius 100 mm.



Beim örtlichen Modellbahnhändler gab's zufällig billige noname-Meterware in Baugröße N. Da hab ich zugeschlagen, zu Hause die "Transportverpackung" (= Schwellenrost) abgezogen und hatte günstig mein Schienenmaterial.

Die grobe Landschaftsform entstand aus allen möglichen Resten die mir in die Finger kamen.



In der Mitte kann man sehen, dass ich die Teile bis zum Trocknen des Weißleims mit Spanplattenschrauben fixiert habe. Klappt prächtig, wenn man sie nicht zu fest anknallt. Ist alles fest, können die wieder raus.

Als Nächstes kam die Entladung. Im Prinzip das Gleiche wie damals auf der Gynthrolith Grube, allerdings hängt dort Alles etwas lummelig im Styrodur. Diesmal habe ich einen soliden Unterbau aus 3 mm Sperrholz gebaut.



Drauf kam dann von unten das Betätigungsgestänge. Ich habe ja letztens schon erklärt, wie's funktioniert.



Der Arbeiter hat seine Karriere als Bahnhofsvorsteher begonnen.



Mit Feile, Drahtbürste und Glasfaserradierer habe ich ihm erst mal die Uniform ausgezogen. Da er ein bisschen bübchenhaft aussah, habe ich ihm mittels Spachtelmasse einen Bart verpasst und zum Mann gemacht.



Außerdem wurde sein rechtes Bein beweglich befestigt. Ich hab ja schon letztens erklärt, wozu.

Fertig sieht er dann so aus.



Durch den Blickwinkel auf der Anlage ist das Beingelenk nicht mehr zu erkennen.

Von oben sieht's dann so aus.



Zu dem Zeitpunkt war die Betätigung noch von oben vorgesehen (Knopf rechts). Später habe ich das an die Rückseite der Anlage verlegt.

Die Schütte ist aus Kaffeerührstäbchen gemacht.




Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich nach meiner privat bedingten Modellbaupause die ursprüngliche Planung über den Haufen geworfen hatte. Also musste in der Mitte Platz für das neue Gebäude geschaffen werden.



Ich hatte teilweise schon eine Feinmodellierung mit Pappmaché aufgebracht, so war das nur recht brachial mit Bohrer, Säge und Stemmeisen zu bewältigen.

Danach kam dann neuer (Kork-) Felsen drauf. Es waren, glaub ich, ca. 10 Einzelteile. In die Fugen dazwischen habe ich passend zurechtgeschnitte einzelne Korkstückchen eingepasst. War 'ne ziemliche Fisselei, hat aber geklappt und wenn man nicht weiß wo, kann man die Übergänge gottseidank nicht mehr erkennen.


Das neue Gebäude wurde eingepasst



Das entstandene Loch wieder mit Styrodur verschlossen



Die Lüsterklemme ist der Lichtanschluss für's Gebäude

Dann Alles mit Pappmaché angearbeitet.



Zwischendurch mal eine Stellprobe, noch mit den alten Fahrzeugen. (E-Lok und Lore gab's zu dem Zeitpunkt noch gar nicht).



Auch der untere Holzrahmen war noch nicht dran.

Dann ging's ans Grünzeug und eine weitere Stellprobe



Jetzt ist auch der Rahmen schon dran, denn ich musste die Begrünung daran anarbeiten.

Die Landschaftszunge vorne links war dafür vorgesehen, dass da irgedwelche verschrotteten Gerätschaften rumstehen.

Dafür habe ich mir was gebaut.
Vor vielen Jahrzehnten (mindestens 2) war ich mal auf der Hannovermesse (damals hab ich die Eintrittskarten noch von der Firma bekommen). Irgendwo war ein Anbieter von Feingussteilen. Auf dem Thresen stand eine große Schüssel mit den unterschiedlichsten Guss- und Stanzteilen und man konnte sich ein Muster mitnehmen. Ich habe einen Moment abgewartet an dem die Mitarbeiter anderweitig beschäftigt waren und habe zugegriffen. Rätselhafterweise waren meine Taschen hinterher irgendwie ziemlich schwer geworden und der Inhalt der Schüssel schien jetzt auch weniger zu sein. Welt der Wunder!
Jedenfalls habe ich nun die Möglichkeit, mir die unterschiedlichsten Maschinerien zu bauen.

So auch hier. Ein paar passende Teile zusammengesucht



und, wie's gerade kam, zusammengeklebt.



Dann noch 'n bisschen Dreck und Rost drauf





und ab damit auf die Anlage.


Irgenwann um diese Zeit habe ich 'ne Pause eingelegt und erst mal die Fahrzeuge gebaut. Dabei ist auch die Idee mit der Elektrolok entstanden.

Somit brauchte die Anlage nun auch eine Oberleitung. Begonnen hat's mit den Fahrleitungsmasten.



Die eigentlichen Masten sind passende Äste die ich im Winter mal beim Spazierengehen von 'nem Busch gepflückt hatte. Die Ausleger bestehen aus Zahnstochern, die mit U-Profilklemmung am Mast "befestigt" sind.

Die I-Profile links sind die Konsolen für die Stromschiene im Innern des Stollens. Als Isolatoren dienen 2 mm Galsperlen, hochglänzend braun lackiert.

Die beiden rechten sind die "normalen" Masten, der linke ist der Endmast. An Diesem ist mittels Schelle eine Umlenkrolle befestigt über die der Fahrdraht zu einem Spanngewicht (rechts daneben) läuft.



Als Fahrdraht dient im Außenbereich ein 0,8 mm Messingdraht. Zugegeben, der ist maßstäblich zu dick. Ich konnte aber den Fahrdraht bei den aberwitzigen Abwinkelungen (wir erinnern uns: 100 mm Kurvenradius) nicht richtig spannen. Also muss er selber stabil bleiben. Durch die Alterung fällt er aber nicht so stark auf.
Im Inneren gibt es eine Stromschiene. Ich hatte ja schon erklärt, dass das "Stabilitätsgründe" hat, mir in Wahrheit aber schlichtweg der Draht ausgegangen ist.

Die fertig vorgeformte Oberleitung sieht so aus



Unten ist der Draht für draußen, oben die Stromschiene für innen. Am Stollenausgang sind beide Teile elektrisch getrennt um das Loklicht ein- und auszuschalten.



Die Trennstelle ist auf ein Stück Pertinax gelötet, die Kupferschicht zwischen beiden unterbrochen. Das Ganze wird dann unter den Querbalken des Stollenausgangs geschraubt.


Unter dem Schrott vor dem Bürogebäude finden sich auch alte Ölbüchsen und -kanister.



Der Kanister ist ein passendes Holzstück, die Büchsen 3 mm Kunststoffrundmaterial. Die Etiketten stammen aus dem Internet, runterskaliert, ausgedruckt und aufgeklebt. Die Deckel silbrig gemacht.
Ich hatte ja mit H0 aufgehört, weil's mir zu fummelig geworden war. Dann kamen diese Büchsen.

Rechts vom Gebäude steht der Sprittank. Sein Korpus ist aus der Kunststoffhülle einer medizinischen Fertigspritze und hat die schöne Verjüngung unten.



Die Kuppel oben ist eigentlich eine Kungel von einem Modeschmuck-Taschenanhänger. Die hatte zufällig den passenden Durchmesser. Das Nietenband verdeckt die Fuge zwischen den Teilen. Der Auslaufhahn besteht aus Draht mit einem kurzen aufgeschobenen Stück Isolierung als Hahn und einem Handrad aus der Grabbelkiste.


Die Bäume der Anlage sind eigentlich billige H0 Bäume vom örtlichen Modellbahnhändler meiner Wahl. Der hatte die Dinger irgendwo sackweise gekauft und für 3,50 pro Stück verhökert.



Die Form ist gar nicht so ganz schlecht aber die "Belaubung" ist mehr oder weniger ein undefiniertbares Gefussel. Also erst mal mit der Schere etwas frisiert. In meinen Vorräten fand sich noch Heki Belaubungsstreu. Also, Sprühkleber drauf, Belaubung drüber und, simsalabim, sahen die Dinger wesentlich überzeugender aus.
Alle Bäume haben im Fuß ein Stück 2 mm Messing Vierkantrohr. An ihrem Standort in der Landschaft befindet sich ein etwas größeres Stück Vierkantrohr, in das sie genau reinpassen. so kann ich sie zum Transport einfach rausziehen und separat beschädigungssicher verpacken.

Die Büsche unten links hinter der Schrottmaschine und oben rechts auf dem Berg sind ähnliche Bäume in Baugröße Z. Auch Billigware (1,20 pro Stück). Auch denen hat eine Neubelaubung mittels Sprühkleber ein neues Leben als Büsche beschert.


Die Anlage braucht ja auch eine Stromzuführung. Zuerst gab's wieder mal Zeichnungen. Eine erste Handskizze für die Verdrahtung.



Dann eine CAD Zeichnung für den Einbaurahmen



Dieser besteht aus 3 mm Sperrholz, schwarz lackiert. Darin sind die Buchsen für die Stromzufuhr und den Handregleranschluss. Daneben die Schalter für die Beleuchtung von Gebäude und Lok. Der Rahmen sitzt auf der Rückseite der Anlage unter dem Stollen.



Die Rückseite sieht so aus



Auf der Lochrasterplatine rechts sitzen die Schalter.



Das war's eigentlich im Großen und Ganzen.


Aber:

Da mich Eure Serpentophobie anal praeterirt (hochtrabend für am A... vorbeigehen), zeige ich Euch auch noch den Bau der Schlangen.

Zuerst wird ein Stück 1 mm Kupferdraht von passender Länge in die Bohrmaschine gespannt und das Ende spitz gefeilt.



Das andere Ende wird umgekantet



Darauf einen Tropfen Lötzinn



Der Gnubbel wird dann in die Form eines Schlangenkopfes gefeilt (etwa rautenförmig)



Dann in Form gebogen



Passend bemalt



Und sie können loskriechen





So, das war's vom Bau der Anlage. Wenn Ihr noch was wissen wollt, einfach fragen.

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Günni

Je schmaler die Spur umso größer der Spaß


Hespertalbahn Offline




Beiträge: 206

06.07.2022 22:14
#14 RE: Squarefoot Mine Antworten

Günni,
mal wieder ein toller Baubericht.
Und so ganz ohne pädagogischem Ansatz... ;-)
Vielen Dank dafür !

Gruß
Dirk


schmalspurloethi Offline



Beiträge: 155

06.07.2022 22:30
#15 RE: Squarefoot Mine Antworten

Hallo Günni,
danke für den tollen Baubericht.
Gruß Henning


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